Von TISCH zu TISCH : Begur

Der Kiez liegt nicht gerade um die Ecke, man muss schon hinwollen - nach Neukölln. Das Lokal ist was für Freunde katalanischer Küche

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Ein bisschen versteckt in Neukölln, aber es sitzt sich gemütlich: Das "Begur" bietet katalanische Küche.
Ein bisschen versteckt in Neukölln, aber es sitzt sich gemütlich: Das "Begur" bietet katalanische Küche.Foto: Begur / promo

Die Lage. Die Lage! Die Lage!! Da hat sich schon mal ein ambitionierter katalanischer Koch aufgemacht nach Berlin, und dann landet er in einer Ecke, in die man kaum zufällig gerät. Man muss wirklich unbedingt hinwollen, um dieses Lokal zu finden. Wohl kein Wunder, dass es an unserem Abend mitten in der Woche fast leer war. Dabei ist der Raum ganz schön gestaltet mit weißen Blüten-Lampen und weißen Stoffläufern auf einfachen Holztischen. So geht Gentrifizierung light. Den Koch Eduardo Canet hat die Liebe nach Berlin verschlagen. Solche Geschichten hört man in letzter Zeit häufiger, die Liebe macht sich in den Berliner Mägen bemerkbar. Der Restaurantleiter Engür Sastimdur schenkt souverän Probierschlucke von der kleinen Weinkarte aus und erzählt, dass man sehr auf Stammgäste aus der Nachbarschaft hoffe.

Ein Hauch von spanischem Landgasthof

Das Amuse Gueule bringt der Koch persönlich an den Tisch, und es ist tatsächlich gut: Chips von Süßkartoffeln und Topinambur, dazu Crostino mit Tomate und hausgemachtem Schinken sowie nach katalanischer Art konfierte Kartoffel. Der teurere Wein, den der Restaurantchef empfohlen hatte, ein 2014er Gran Reboreda Ribeiro, war tatsächlich besser als der preiswertere Malvasia Rioja, für den wir uns letztlich entschieden haben (16 Euro).
Die Fischsuppe Baix-Emporada bestand aus einer kräftigen, aber dünnflüssigen Brühe mit Würfeln verschiedener Fische, von denen es auch Hauptgänge gibt, dazu noch Garnele und Tintenfischring. Gut gegart waren sie, die Qualität erinnert an einen gehobenen Landgasthof nördlich von Barcelona (12 Euro).
Das Gemüse vom Grill hatte in der Würzung provencalische Anmutungen. Auberginen, Kartoffeln, Zucchini, Paprika, grüner Spargel und Minimöhren konnten zusätzlich aufgepeppt werden mit dicken Tupfern rosiger Romesco-Sauce, einer mit Paprika gewürzten Spezialität aus Tarragona. Vegetarisches Mille Feuille kam als Quader aus geschichtetem Gemüse daher mit einer knusprigen Decke, angerichtet auf einem mit Pesto liebevoll verzierten Teller. Das schmeckte ordentlich, womöglich stehen dem Katalanen aber noch pfiffigere Würzungen zur Verfügung (13 Euro).

Fünf Gänge zum maßvollen Preis

Der Geschmack der in Sauvignon gegarten Kalbsbäckchen hingegen war so intensiv, dass er noch am nächsten Morgen schwer auf der Zunge lag. Das Fleisch war ganz weich gegart und auf einer dunklen Sauce angerichtet, die etwas milder hätte sein dürfen, dazu gute Beilagen, unter anderem ein Kartoffeltörtchen, Paprika und grünen Spargel (18 Euro). Zur Crema Catalana gab es Likör. Die Creme selber war unter der gehärteten Decke in Ordnung, wenn auch nicht so, dass sie von den 1001 Wundern Kataloniens erzählt hätte (6 Euro).
Das fünfgängige Degustationsmenü kostet 45 Euro, das ist maßvoll, wenngleich vielleicht nicht für Neuköllner Verhältnisse. Wenn ich irgendwann höre, dass dieses Restaurant nach, sagen wir, Steglitz oder Wilmersdorf umgezogen ist, würde mich das für die Zukunftschancen optimistischer stimmen.

- Begur – Cuina catalana. Weigandufer 36, Neukölln, Tel. 68082626. Die. bis Sa. 17 bis 23 Uhr.

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