Von TISCH zu TISCH : Benedict

Wann am Tag man frühstückt, ist eine Frage der Lebenseinstellung, finden die Macher dieses Restaurants. Stimmt - und schmeckt!

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Frühstücken, wann man mag und wie man mag: das "Benedict" in Wilmersdorf. Foto: Markus Braumann / promo
Frühstücken, wann man mag und wie man mag: das "Benedict" in Wilmersdorf.Foto: Markus Braumann / promo

Reizvoll wäre zum Aperitif auch der Party-Hit „Gebackene Trockenfrüchte im Speckmantel an Sauce Hollandaise“ gewesen. Am Ende fiel die Wahl doch auf etwas Substantielleres. Der „Tower of Babylon“ war geschichtet aus knusprigen Rösti in handlicher Tartelett-Größe, hartschaligen, innen weichen Auberginen, Tomaten- und Eischeiben, alles gekrönt mit Kräutern und einer dickflüssig sich am Turmbau verteilenden Sesamsauce. Besonders die verschiedenen Konsistenzen überzeugten (4,50 Euro).

Freundlicher Service

Gleich neben dem Empfangstisch zum Restaurant Benedict steht ein großer Billardtisch. Es folgt ein loungiger Wohnzimmerbereich mit grünen und braunen Sofas und vielen Kissen. Im hinteren Teil geht es nüchterner zu: weiße Kacheln, ein Tresen mit Barhockern, kleine Bistrotische. Ein Hipster-Ambiente mit hübscher Beleuchtung. Dazu passen die auf natürliche Art freundlichen Kellner. Eine Servicekraft war für den Nachschub mit kostenlosem Leitungswasser zuständig. Sie begrüßte uns bei unserer Ankunft kurz nach 20 Uhr mit einem festen „Guten Morgen“ – schließlich gibt es im „Benedict“ Frühstück rund um die Uhr – und kündigte an, dass die Gläser immer wieder neu aufgefüllt werden würden. Sehr vorbildlich. Ihre nicht minder sympathische Kollegin erschien mit dem Crémant, der in schönen, hohen Kristallschalen serviert wird. Auch der in Thymian und Knoblauch marinierte Portobello, ein mächtiger gebratener Pilz mit schneeweißen, sanften Klecksen von Ziegenfrischkäse und einer malerischen Girlande aus Balsamico-Vinaigrette schmeckte und stachelte den Appetit auf mehr an (4,50 Euro).

Speisen mit Pfiff

Noch vor den Hauptgerichten folgte ein Brotkorb mit verschiedenen, teils warmen Brötchen, Butter, einer Einzelpackung Nutella und einer ganz weichen Apfel-Zimt-Butter. „Das ist aber nicht vegan“, kommentierte die Kellnerin meinen nachdenklichen Blick Richtung Nugatcreme. Zum Glück bin ich auch nicht vegan, obwohl sehr zufrieden mit einem ebensolchen Hauptgericht. Der Kichererbsen-Pancake war kross und flach und auch geschmacklich schön bunt geraten mit Mais, Tomaten, gebratenen Zwiebeln und weiteren Streukräutern, ein bisschen wie eine extraleichte Pizza. Drei Dips wurden dazu serviert, um den Genuss noch spannender zu machen: Rote-Bete-Hummus, Tahini und knoblauchhaltiges Auberginenmus. Dazu gab es Salat aus fein gewürfelten Gurken, Zwiebeln und Tomaten, der noch ein wenig Dressing hätte vertragen können (10,50 Euro).
Die Eisbein-Stulle war als „Berliner Klassiker“ fast zu edel interpretiert. Roggenbrot mit Senf und gutem hausgemachtem Sauerkraut. Ein schöner Berg würziges Pulled Pork war gekrönt von zwei pochierten, mit den obligatorischen Kräutern dekorierten Eiern. Den extra Pfiff verlieh knackiges Cornichon-Relish (23,50 Euro). Der krispe, unaufdringliche 50 Grad-Riesling von Schloss Johannisberg aus dem Rheingau von der intelligent zusammengestellten kleinen Weinkarte passte sehr gut dazu (20 Euro).

Liebe und Puderzucker

Eier sind hier omnipräsent. Das gilt auch für die mit „Liebe und Puderzucker“ bestäubten „Benedict Pancakes“ zum Dessert. Auf die muss man 25 Minuten warten, aber es lohnt. Es kommt dann analog zu „Babylon“ ein Turm aus köstlichen frischen Eierkuchen, mit Schokoladencreme geschichtet. Wir begnügten uns mit einer kleinen Portion (5,50 Euro in der Miniversion).
Das Konzept stammt aus Tel Aviv. Die Philosophie: Frühstücken wann man will, ist eine Lebenseinstellung.
- Benedict, Uhlandstr. 49, Wilmersdorf, Reservierung Tel. 99 40 40 99 7, 7 bis 23 Uhr, benedict-breakfast.de

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