Von TISCH zu TISCH : Blackbeards

Ein Tipp für Fälle von Fleischeslust ist dieses Restaurant. Da gibt es super Chili, schön scharfes Hack, Mashed Potatoes mit Schweinebauch und mehr

Schön rustikal und genau das Richtige für Cowboys: Das "Blackbeards" in Prenzlauer Berg.
Schön rustikal und genau das Richtige für Cowboys: Das "Blackbeards" in Prenzlauer Berg.Foto: Blackbeards / promo

Auf jeden Fall hat das Blackbeards eine gute Chefin und einen guten Chef. Woher ich das weiß? Weil der Kellner mir verraten hat, dass sie im Team den ganz und gar vorzüglichen amerikanischen Käsekuchen gebacken und die Beerenmarmelade dazu gekocht haben. Chefs, die derart handfest zeigen, dass sie was können, verdienen unbedingt Bewunderung. Und tatsächlich würde ich allein des Kuchens wegen wieder in dieses Fleischrestaurant einkehren (3,50 Euro).

Aus dem Smoker: Rind aus der Prignitz

Als Kontrastprogramm zum grassierenden Veganismus erfreuen sich in den letzten Jahren teils sehr teure Steak-Restaurants und edle Burger-Bratereien wachsender Popularität. Hier haben wir es mit einem gemütlichen Lokal zu tun, in dem es zu passablen Preisen sicher nicht die dreimal abgehangenen Filets vom handgestreichelten Wiesenwollschwein gibt, aber doch ganz erfreuliche Barbecue-Gerichte für akute Anfälle von Fleischeslust. So ein dezenter Räuchergeruch liegt auch in der Luft des zünftig mit dunklem Holz gestalteten Restaurants. Im hauseigenen Smoker wird zum Beispiel Rindfleisch aus der Prignitz verarbeitet.
„Jailhouse Chili“ klingt auf Anhieb nicht so Appetit animierend, aber schon die Art, wie es auf den Tisch kommt, zeugt von Inspiration. Die Bohnen werden extra in einem kleinen Glas serviert, so dass man sie nach Belieben unters Chili-Fleisch in einem größeren Glas mischen oder auch darüber streuen kann. Das Chili selber hat diesen Extrakick, den jeder Chili-Koch versucht, auf seine Weise zu finden. Der größere Teil der Zutaten steht zwar auf der Karte verzeichnet – Rote Bohnen, Rindfleisch, Chorizo, Hackfleisch, Estragon und natürlich Chili – aber so ein kleines, irgendwie rotweiniges Geheimnis kommt da eben nicht vor. Ach ja, wenn ich aus der Karte zitiere, handelt es sich dabei immer um eine Übersetzung aus dem Englischen. Wer dieser Sprache nicht mächtig ist, bekommt in manchen Gegenden der Stadt zunehmend Probleme bei dem Versuch, sich ein Essen zu bestellen (4,50 Euro).

Vor dem Lokal schlemmt sich's im Sommer noch besser. Darauf ein smoked Chili!
Vor dem Lokal schlemmt sich's im Sommer noch besser. Darauf ein smoked Chili!Foto: Blackbeards / promo

Überraschend gut waren die „Bacon Rolls“, die wir statt der ausgegangenen Corn Dogs probierten. Schön scharf gewürztes Hackfleisch verbirgt sich in einem Mantel aus Speck, dazu gibt es Deli-Gurke und Salat (4 Euro). Kommen wir zu einem warmen, uramerikanischen Gericht. „Mashed Potatoes with Gravy“, Kartoffelpüree also mit brauner Bratensauce und darauf zwei Respekt gebietende Streifen gut durchwachsener Schweinebauch, außerdem ein Glas Cole Slaw, Krautsalat in der schönen, trockenen amerikanischen Qualität. Da sie hier offenbar die Gerätschaften haben, war der Schweinebauch kross und innen zart zugleich. Püree und Sauce kann man als Beilage auch zu jedem anderen Gericht bestellen (9,50 Euro). Deutlich leichter allerdings fiel „Surf&Turf“ aus, ein großer Salatteller mit medium gebratenen, erstaunlich zarten Steakscheiben, zwischen den Salatblättern verstecken sich zusätzlich Gambas (12 Euro).

Nicht selbstverständlich: Perfekter Service

Das Bier wird hier zum Teil aus der Flasche getrunken. Erstaunlicherweise gibt es aber auch offene Weine von Bassermann-Jordan. Wir probierten einen argentinischen Weißwein, der mit seiner Anmutung von exotischen Früchten gut zu den Räucheraromen passte (19 Euro).
Der Service fiel uns positiv auf, weil er die genau richtige Balance zwischen Fürsorge und Distanz beherrschte, die Weinflasche unaufgefordert rasch auf Eis legte und immer genau richtig zur Stelle war mit Fragen wie „Kann's gleich weitergehen?“ oder „Passt alles?“. Auch wenn ich ständig gegen die Versuchung ankämpfe, Klischees zu erliegen, sei die Bemerkung gestattet, dass dies in Prenzlauer Berg durchaus überraschend wirkt. Man weiß ja, wie schwer es ist, in der Gastronomie gutes Personal zu bekommen.

- Pappelallee 55, Prenzlauer Berg, Tel. 41 19 22 88, geöffnet Di-So 17-24 Uhr

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