Von Tisch zu Tisch : Brenner

Weg von angestrengter Konzeptküche: Das "Brenner" in Schöneberg ist ein gemütlich-ländliches Gasthaus - seit kurzem mit neuem Küchenchef.

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Im Sommer mit schöner Terrasse, im Winter drinnen ländlich-gemütlich: das Schöneberger Restaurant Brenner.
Im Sommer mit schöner Terrasse, im Winter drinnen ländlich-gemütlich: das Schöneberger Restaurant Brenner.Foto: Brenner / promo

Das Berliner Restaurant des Jahres, theoretisch betrachtet, würde vermutlich neue koreanische Küche bieten, ausschließlich mit lokalen Produkten aus einem 20–Kilometer-Streifen rund um Berlin arbeiten und Craft Beer in den Vordergrund stellen, das der Sommelier selbst an seinen freien Tagen im Keller braut. Der Ort? Suchen Sie sich was aus in Neukölln.
Es ist eigentlich ganz sicher, dass irgendwer daran gerade bastelt. Und wenn es endlich fertig ist, dann sagen die Leute, die auf keinen Fall nach Neukölln fahren wollen, angestrengte Konzeptküche verabscheuen und lieber Wein trinken: Was geht mich das an?
Sehen Sie: Deshalb ist es so wichtig in all den Kimchi-Gewittern, auch mal den Bestand an Restaurants durchzugehen, die sich gezielt an solche Non-Foodies richten. Es bietet sich an, einen Küchenchefwechsel als Anlass zu nehmen, wie er grad im „Brenner“ stattgefunden hat. Das gemütlich-ländliche Gasthaus im ehemaligen „Bamberger Reiter“ hatte ich in den letzten Jahren aus den Augen verloren, weil es so ganz angenehm, aber unspektakulär stagnierte.

Der Neue kocht feinsinniger

Der neue Küchenchef Sebastian Peuthert hat ein paar gute Stationen hinter sich. Er kocht nicht grundsätzlich anders als sein Vorgänger, aber etwas moderner und feinsinniger. So bot er eine sanfte Steckrübencreme, deren süßlicher Charakter durch eine Kaninchenrolle mit Datteln noch betont wurde. „Feines aus dem Meer“ war genau das, ein kleiner Teller mit Meeresfrüchten und einer klaren, mit Safran und Fenchel abgeschmeckten Consommé. Deftig-bodenständig fiel dagegen die Pulpo-Bolognese aus, sinnfällig kombiniert mit schwarzen Tagliarini und Gruyère-Streifen auf kleinem Salat. Das fanden wir alles gut gelungen und den Preis von 9 bis 15 Euro absolut wert.

Kleinere Mängel

Einige Einwände hatten wir dagegen bei den Hauptgängen (um 28 Euro). Schön saftig war das große Heilbuttfilet, das sich aber in einer zu kontrastarmen, sehr vorsichtig abgeschmeckten und auch wieder merkbar süßlichen Umgebung verlor: Kartoffeln, Schmorzwiebeln und Chorizoschaum. Die Martinsgans mit guten Knödeln und ebensolchem Rotkraut litt unter dem üblichen Problem, dass im Restaurantalltag natürlich nicht jede Portion frisch gebraten werden kann. So passte die Keule gut, die Brust hingegen schmeckte doch schon sehr faserig und trocken. Ganz gelungen fanden wir den genau rosig abgepassten Hirschkalbsrücken mit Kürbispüree und gemischten Bohnen, die sicher „Cassolette“ und nicht „Cassoulet“ hätten heißen sollen. Gut gemachte Desserts gibt’s obendrauf, allerdings fanden wir kurios, dass alle Schokolade enthielten; Palatschinken mit Feigen und Mango-Eis wurde aber dann noch eigens angefertigt.
Die größte Qualität des „Brenner“ liegt zweifellos in der zuvorkommenden Beratung durch den Chef Anton Stefanov, der rund 350 fair bepreiste Weine im Keller hat. Für Neulinge ratsam: Sechs kleine Gänge in drei Portionen mit Wein sind schon für 64 Euro zu haben.

- Brenner, Regensburger Str.7, Schöneberg, Tel 23 62 44 70, Mo-Sa ab 18 Uhr geöffnet

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