Von TISCH zu TISCH : Fisherman's

Tschüss, Berliner Innenstadt-Hektik: Am Tegeler See kann man mit Blick aufs Wasser bodenständig und gut essen.

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So schön nah am Wasser sitzt man in Berlin nicht häufig: die Terrasse des Fisherman's in Tegel.
So schön nah am Wasser sitzt man in Berlin nicht häufig: die Terrasse des Fisherman's in Tegel.Foto: promo

Das Schöne an Berlin ist unter anderem, dass die Stadt das Potenzial für überraschende Ausflüge hat. Man steigt in die U-Bahn, und ein paar Stationen weiter hat man das Gefühl, man sei in einer anderen Stadt. Das Restaurant „Fisherman’s“ liegt idyllisch am Ufer mit Blick auf den Tegeler See. Das Haus erinnert an die Siebziger in Berlin, wirkt weder alt noch neu, aber der Garten mit Blick auf den See ist schön, und die schwarzen Tische sind so gestellt, dass die Sonnenschirme auch Schutz vor leichtem Regen bieten. Die Gedecke sehen einfach aus, Papierservietten, keine Set-Deckchen, kleine Blumentöpfe stehen als ländlicher Schmuck auf den Tischen. Dafür muss man sich auch nicht feinmachen, das ist ein ganz entspanntes Lokal. Nur der See, der im Sonnenuntergang glitzert für die Enten und die Schwäne und die Passanten hat eine leicht feierliche Aura.
Es dauerte ein bisschen, bis man auf uns aufmerksam wurde, aber in der Folge ging der Service zügig weiter. Die Küche grüßte vorweg mit einem knackigen kleinen Salat aus grünem Spargel und Süßkartoffelstreifen. Dazu gab es Brot und eine interessante Orangenbutter.

Essen mit Seeblick

Drei in Mandelbutter gebratene Jakobsmuscheln waren schlicht mit roten Berglinsen auf einem grünen Rucolabett angerichtet. Das sah nett aus und schmeckte frisch und angenehm (11,90 Euro). Genauso gradlinig war auch der als Vorspeise offerierte Fischeintopf mit ganz klarer Brühe, mehreren kleinen Fischfilets, Flusskrebsen und Gemüsestreifen. Das schmeckte fast ein bisschen zu klassisch, weil der Koch konsequent auf jedwede mögliche Exotik verzichtet hatte (6,90 Euro).
Sehr gekonnt war der Saibling gebraten, ein ganzer Fisch mit einem vergleichsweise würzigen, saftigen zartrosa Innenleben, das ebenfalls tadellos schmeckte (17,90 Euro).
Zum fast noch rohen, gerade so angegrillten, aber guten Thunfisch-Steak gab es ziemlich süßliche Beilagen, geröstete Süßkartoffel-Streifen, Maispüree und BBQ-Jus. Vom Fisch mal abgesehen, wäre das so auch als Kindergericht gut durchgegangen (21,50 Euro).

Gradlinige Küche

Das raffiniert klingende Dessert, ein „Creme Catalan Gateau“ mit Limepie, Tonkabohne und Joghurt-Schaumbiskuits war am Abend leider schon weg. Deshalb hielten wir uns an eher traditionelle Abschlüsse, die noch einmal die Gradlinigkeit der Küche hervorhoben. „Genuss in Nuss“, das waren drei Eiskugeln in den Geschmackrichtungen Walnuss, Haselnuss und Pistazie (7,50 Euro). Und die Käsevariationen brachten Munster, Appenzeller und Ziegenkäse mit Nüssen und Feigensenf, wiederum hübsch arrangiert, der Käse von guter Qualität.
Die Weinkarte bietet überwiegend Bewährtes aus der guten Mittelklasse zwischen 30 und knapp 50 Euro. Damit ist man im Außenbezirk auf der sicheren Seite. Der Prosecco ist mit 3,80 Euro im Vergleich zu Sekt und Cremant günstig kalkuliert. Und der 2014-er Weißburgunder Oktav von Joachim Heger passte gut zum Fisch. An der Qualität des Weines gab es nichts zu meckern. Allerdings ist mir in letzter Zeit häufiger und auch hier aufgefallen, dass die Weine am Anfang zu warm serviert werden. Nach einer Weile im Eis-Eimer geht es dann, aber besser wäre es, wenn sie gleich zu Anfang schon auf die richtige Temperatur heruntergekühlt wären (30, 50 Euro).

Am Ende die Schatztruhe

Frisch gebackene Waffeln ergänzen das solide Ausflugsküchen-Angebot. Als Adresse für kulinarische Abenteurer würde ich das Fisherman’s nicht empfehlen, aber für einen charmanten Abend am See eignet es sich gut. Und wenn doch mal jemand was zu meckern hat, findet er in der kleinen Schatztruhe, in der die Rechnung kommt, gleich einen entsprechenden Fragebogen.

- Fisherman’s Restaurant. Tegel, Eisenhammerweg 20, Tel. 43 74 64 70. Geöffnet täglich ab 12 Uhr.

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