Von TISCH zu TISCH : India Club

Angekündigt war, an der Rückseite des Adlon soll "eines der besten indischen Restaurants der Welt" entstehen. Das stimmt nicht ganz...

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Wieder eine Wandlung: Nach "Gabriele" und "Petit Felix" heißt das Restaurant an der Rückseite des Adlon nun "India Club". Foto: India Club / promo
Wieder eine Wandlung: Nach "Gabriele" und "Petit Felix" heißt das Restaurant an der Rückseite des Adlon nun "India Club".Foto: India Club / promo

Hinten am Adlon – schwierig. Eine zugige Ecke zwischen massiven Wachposten, viel Verkehr, tagsüber Touristen. Kein Wunder,  dass seinerzeit selbst Tim Raue es schwer hatte, Gäste in diese Räume zu motivieren, das heutige „Sra Bua“ läuft offenbar nun so einigermaßen.  Das Restaurant nebenan, erst „Gabriele“ und dann „Petit Felix“, war immer das größte Sorgenkind. Nach einigen Monaten Schließzeit ist es nun als „India Club“ auferstanden: Anno August Jagdfeld, dessen „Adlon Collection“ hier unabhängig vom Hotelbetreiber Kempinski arbeitet, isst gern indisch. Und er macht selbstredend nichts, was in seinen Augen unter Weltklasse liegt. Deshalb heizte er zur Eröffnung die Erwartung an, hier werde eines der besten indischen Restaurants der Welt entstehen  - und brachte einen Küchenchef aus einem Hotel in Delhi mit, der an dieser völlig überzogenen Ankündigung nur scheitern konnte.

Es geht besser

Was da nun auf den bemerkenswert stilfreien weißen Serientellern liegt, schmeckt authentisch, kräftig, würzig, scharf. Zum Start werden drei Chutneys aufgetragen, Tamarinde dunkel säuerlich, Minze sanft grün und scharf, Mango süß-fruchtig, die zumindest die Ankündigung bestätigen, hier werde alles selbstgemacht – das waren keine Industriesaucen. Und wer nicht mindestens in den besternten indischen Restaurants in London gesehen hat, dass es besser geht, der mag auch die kantinenhafte Anrichteweise für echt indisch halten,  aus dem Topf auf den Teller, klatsch, das will ich nicht überbewerten. Aber ob zum „Geheimrezept“ des Chefs, konzentrierten Masala-Kichererbsen, tatsächlich die grobschlächtigen rohen Zwiebelringe obenauf gehören? Neben den gelungenen frittierten Garnelen liegt ein Zitronenschnitz, auch das ist nicht gerade elegant. Ein Salat mit rohen Sojasprossen, Minze, eingelegter Papaya und indischem Kümmel hat aromatisch das gewisse Etwas, aber Freunde:   14 Euro?  Und 15 für die Kichererbsen? Das ist in einer Stadt mit passablen Billig-Indern nur schwer zu rechtfertigen, zumal in diesen Gerichten ja auch nicht die feinen Hühner oder Lämmer vom Gut Vorder Bollhagen stecken, mit denen sich das Restaurant schmückt. 

Vom Gewürz erschlagen

Im Tandoori-Lamm stecken sie. Die vier Röllchen schmecken, sehen aber eigenartig glatt aus, die roten Zwiebeln nebst Koriander und grüner Chili wirken eher dazugeschmissen als aromatisch integriert – macht nichts, denn die drei Chutneys sind  ja noch da. Der Reis dagegen kostet Aufpreis, 4 Euro mit Cumin, 5 mit Safran, dann gibt es noch Raita, die indische Antwort auf Zaziki, für weitere 6 und ein Linsen-Dal mit Bockshornklee-Blättern für abwegige 12 Euro. All das relativiert den Grundpreis der Lammspieße (21 Euro) ein ganzes Stück. Überhaupt nicht zurecht kam ich geschmacklich mit dem grünen Curry vom Wolfsbarsch: Drei kleine (Zucht-?)Filetstücke in Bananenblättern gegart – und von einer intensiven grünen Currymischung komplett totgeschlagen (27 Euro). Zwei Desserts haben wir auch noch probiert, mit 7 Euro eher günstig, aber für die europäische Zunge auch reizlos: Gebackene Milchbällchen mit nicht schmeckbarem Safran in grell süßem Sirup (7 Euro) und „Badam Halwa“, ein grobes Püree aus Mandeln mit Butter und Zucker.

Und dann der Service

Dazu gibt es gut zwei Dutzend gute Weine, die aber alle nicht richtig passen, weil sie die prononcierte Süße der Speisen nicht ausbalancieren können, ab 36 Euro, dann preislich steil bergauf. Ein ordentlicher Veltliner im Rentenalter  (2012 Steinfeder von Hirtzberger) kostet absurde 52 Euro, ist also etwa mal fünf kalkuliert. Was den Service angeht, ist zumindest noch Besserung denkbar, denn die vielsprachigen jungen Menschen in indischen Gewändern geben sich zumindest Mühe. Allerdings war es grotesk, wie sie im Minutentakt mit sinnlosen Fragen und ebenso sinnlosem Nachschenken und Abdecken jedes Essen mitsamt Gesprächsfluss überdeckten – in dieser Penetranz habe ich das überhaupt noch nie erlebt.

Also: Vergessen wir das mit dem Weltniveau. Ich bin kein Spezialist, aber überzeugt davon,  dass man in Berlin zum halben Preis besser indisch essen kann.

- India Club, Behrenstr.72, Mitte, Tel. 20628610, täglich ab 18 Uhr 

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