Von TISCH zu TISCH : Kitchen Library

Dieses kleine Restaurant inszeniert sich nicht groß, sondern bietet bestens zubereitete Klassiker - manche mit kleinen, modischen Schnörkeln

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Unaufgeregt-gemütliches Ambiente: "Kitchen Library" in Charlottenburg.
Unaufgeregt-gemütliches Ambiente: "Kitchen Library" in Charlottenburg.Foto: Kitchen Library / promo

Es gibt in Berlin viele verschiedene Arten von Restaurants. Große, teure mit viel Design, die mit einem großen Rumms und viel PR den Markt entern. Kleinere, nicht ganz so teure, die auf Szene-Glaubwürdigkeit setzen und von begeisterungsfähigen Bloggern getragen werden. Und immer noch welche, die plötzlich da sind, ganz ohne Inszenierung, mit wenig Kapital – sie erkennen wir daran, dass die Vorgeschichte des Raums noch sichtbar ist, weil ein paar Eimer Farbe und bestenfalls ein neuer Herd ausreichen mussten für den Neustart.

Kräftig im Geschmack

Die Charlottenburger „Kitchen Library“ ist so ein Fall. Ich habe sie deshalb lange übersehen; es schreibt sich leichter über Restaurants, die ohnehin viel diskutiert werden. Das ist hier, wenn ich richtig sehe, nicht der Fall, aber das ist auch typisch für Küchen, die ohne Sendungsbewusstsein einfach nur anständiges Essen servieren wollen. (Die meisten Gäste wollen doch lieber essen und nicht allabendlich die Welt retten.)
Küchenchef Udo Knörlein inszeniert bunte Teller mit geschmacklicher Kraft, dazu meist auch einen kleinen modischen Schnörkel wie beim Pulpo, der unter einem Glassturz voller Rauch an den Tisch gebracht wird. Das ist eine heikle, schon allein aromatisch sättigende Sache, die mir hier aber erträglich schien; dass der Raum nach ein paar Portionen wie eine Almhütte riecht, ist klar. Der umräucherte Pulpo selbst lagerte auf einer grünen Kräutercreme sowie etwas Aioli – das ist so der mediterrane Stil, der hier eine große Rolle spielt (13 Euro). Noch besser gefiel uns aber ein kulinarischer Klassiker: Kalbsleber mit Äpfeln, Sauerkraut, buttrigem Kartoffelpüree und dichter Kalbsjus, die hier auch als kleiner dimensionierte Vorspeise (14,50) zu haben ist – das geht sicher experimenteller oder dekorativer, geschmacklich besser aber nicht. Für Fans: Königsberger Klopse gibt es hier ständig.

Auch was für Fleischesser

Die Bernsteinmakrele, die meist als „Hamachi“ ungekocht im Sushi endet, darf hier ein Solo als konventioneller Fischgang spielen, begleitet von Selleriecreme und Austernpilzen (23), gut balanciert. Und ein richtiger Teller für Fleischesser ist auch noch dabei, nämlich geschmorte Rinderbrust mit Barbecue- Schweinerippchen und akkurat gemachten Gemüsen. Ich würde allerdings raten, daraus dann entweder zwei Gerichte zu machen oder Rippchen mit ein wenig mehr Fleisch zu verwenden – das blieb weitgehend fruchtlose Zuppelei (21,80). Das alles deutete auf eine knapp besetzte, aber gut organisierte Küche, die erwartungsgemäß nicht mit den Desserts in Schönheit sterben möchte. Dem Engadiner Nusskuchen (9), sehr süß, hätte eine frischere Begleitung als Nougateis nebst Maronenpüree geholfen, denn das blieb doch sehr Ton in Ton. Viel Frische brachte dagegen das Mandarinensorbet mit Sekt und Rosensirup mit (7,50).

Solo für die Co-Chefin

Eine erstaunliche Performance lieferte die Co-Chefin Daniela Meyer im Service ab. Ich weiß nicht, ob sie aus Neigung, Sparsamkeit oder Personalmangel an diesem Abend allein gewirtschaftet hat, aber wie sie das hinbekam, verdiente Respekt; einen Mitstreiter würde ich ihr trotzdem wünschen. Ach, und das dem Standard des Hauses adäquate Weinsortiment kommt von einem Händler, der für knapp kalkulierte, gute Qualität bekannt ist: Jungwilder Veltliner von Pfaffl (Weinviertel) ist für faire 29,50 Euro zu haben. Insgesamt ist der Spaß-pro–Euro-Faktor sehr gut. Ach, der Name Library: Kochbücher natürlich, sehr viele. Man darf auch drin blättern.
- Kitchen Library. Bleibtreustr. 55, Charlottenburg, Tel. 31 25 449, täglich außer Montag ab 17.30 Uhr

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