Von TISCH zu TISCH : La tia rica

Die Übersetzung heißt "Erbtante". Reich wirkt auch die Karte des kleinen Chilenen: Empanadas, Pulpo, Schnecken, Krabben - und alles mundet

Klein und gemütlich: das chilenische Restaurant La tia rica in Charlottenburg. Tisch reservieren unbedingt empfohlen.
Klein und gemütlich: das chilenische Restaurant La tia rica in Charlottenburg. Tisch reservieren unbedingt empfohlen.Foto: La tia rica / promo

Es ist eng, aber gemütlich bei der „Erbtante“. Maßvolle Folklore schafft ein heimeliges Ambiente. Das chilenische Lokal ist gut besucht. Eine Kellnerin mit süddeutschem Akzent schleppt eine riesige Schiefertafel mit den Tagesangeboten durch den Raum. Weiße Stoffservietten zum graubunt gemusterten Tischtuch geben der Atmosphäre etwas charmant Gediegenes.
Wegen des oft guten Preis-Leistungs-Verhältnisses bin ich eine Freundin chilenischer Weine, die unter klimatisch guten Bedingungen und stetig wachsendem Know-How der Winzer erstaunliche Qualitäten erreichen. Im „La tia rica“ bekommt man als Aperitif sogar einen nicht ganz billigen, aber sehr ordentlichen Spumante aus Chile (6 Euro). Die Weinkarte ist nicht klein und einschlägig bestückt, nach Traubensorten geordnet. Es gibt eine schöne Auswahl von Weinen aus der Médoc-Traube Carménère, die eine Art chilenischer Spezialität ist und früher in unserer Gegend schwer zu finden war. Aus reiner Neugier tranken wir zum Essen einen Carménère Rosé, der wunderbar passte.

Kompaktes Küchlein Salat

Zweierlei Sorten chilenisches Brot, ein goldgelber Fladen und eine weiße Kugel, wurden mit Salsa und Chilipaste serviert, dazu ein feines Öl. Raffiniert war der chilenische Salat angerichtet: geschälte Tomatenachtel mit pochierten Zwiebelstreifen und Koriander zu einem kompakten Küchlein auf einem Olivenölspiegel geschichtet. Zerpflückt schmeckte das ganz vorzüglich (5 Euro). Sehr gut war auch das erfrischend säuerliche Ceviche vom rohen Rotbarschfilet in kleinen Würfeln auf einem großzügigen Bett von Blattsalaten und Radieschen. Zwiebeln, Koriander und Chilischoten brachten südliche Schärfe und Aromen hinein. dazu gab es Zitrone und eine halbe Süßkartoffel. Ein hübsches Detail in diesem ohnehin liebevoll gestalteten Restaurant war der der fischförmige, weiße Teller (9 Euro).

Zarte Königskrabbe

Auf den Nachbartischen sahen wir auf länglichen Porzellantellern die Vorspeisenauswahl, die als Angebot des Tages zu haben war, verschiedene Tapas, darunter Garnelen, Gemüsestücke und Dips, die ebenfalls ausgesprochen appetitlich aussahen. Natürlich sind auch Empanadas im Angebot, frittierte Blätterteigtaschen mit verschiedenen Füllungen wie Spinat und Käse oder Rindfleisch.
Vom Tagesangebot wählten wir den Pulpo, einen vergleichsweise zart zubereiteten Arm vom Tintenfisch. Dazu gab es nicht zu scharfe Kartoffeln und gegrillte Auberginen, Champignons, Paprika (17 Euro). Zu den chilenischen Spezialitäten gehört neben den Abalonen, den Seeohren-Schnecken, auch die Königskrabbe. Die war royal rot, fest und noch viel zarter als der Tintenfisch auf einem Berg von Salat mit einer perfekt weichen Avocado an der Seite und begleitet von hausgemachter, würziger Mayonnaise und einer frischen grünen Sauce mit Koriander, Gurke und Zwiebel. Ein königliches Gericht (26 Euro). Wir probierten dazu „Charquican“, eine Spezialität aus gestampften Kartoffeln, Mais, Bohnen und Kürbis, alles gut gewürzt (4,50 Euro).

Fluffige Maracuja-Mousse

Auch die Nachtischauswahl ist originell. Zum Beispiel gibt es mit Zimt gekochte, getrocknete Pfirsiche auf Graupen oder Zitronentarte mit weichem Baiser. Gut gelungen war die fluffige Maracuja-Mousse auf einem weichen Boden von Mandeln und Walnüssen, dazu auf einem weißen Porzellantablett jede Menge frisches Obst, Würfel von der Melone, von Kiwis, Orangen, Ananas und Erdbeeren (5,60 Euro).
Die chilenische Küche mag nicht sonderlich berühmt sein. Aber wo guter Wein wächst, wird in aller Regel auch genussvoll gegessen, und davon erzählen die hier fein präsentierten Speisen eine Menge. Dafür muss eine Reservierung leider dringend empfohlen werden, sehr groß ist das Lokal nicht.

- La tia rica. Knesebeckstr. 92, Charlottenburg, Telefon 31 51 86 93, geöffnet Mo bis Sa 17 bis 23 Uhr.

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