Von TISCH zu TISCH : Mavericks

California Dreamin' in Lichtenberg: Im Basement von Andel's Hotel werden Crab Cake, Burger und Co. mit einer Prise Lebensfreude serviert

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Platz bis unter die Decke: Im Mavericks in Lichtenberg kann man auf zwei Ebenen speisen.
Platz bis unter die Decke: Im Mavericks in Lichtenberg kann man auf zwei Ebenen speisen.Foto: Andel's Hotel / Mavericks promo

Wer einen Klaustrophobiker ausführen muss, ist hier genau richtig. Das „Mavericks“ hat mit die höchsten Decken überhaupt in der Berliner Restaurantszene. Da war sogar Platz für ein Zwischengeschoss mit Galerie. „Eigentlich sollte hier ja mal ein Einkaufszentrum hin“, sagt die nette Kellnerin zur Erklärung. Die Küchenrichtung in dieser luftigen Atmosphäre ist „Pacific Rim“, will sagen kalifornisch. Wie angenehm das Ambiente mit den hübschen Windlichtern auf blanken Tischen ist, ist schon von draußen zu erahnen. Der Fisch über der von grünen Kacheln abgesetzten Showküche mit kompetent blickenden und hantierenden Köchen, die Kunst an der hinteren Wand und die pittoresk mit einem Lederband zusammengeschnürten Messer, Gabeln und Servietten geben dem Raum etwas lässig Verspieltes. Unwillkürlich klingt im Kopf eine alte Beach Boys Nummer auf.

Lebensfreude überall

Keine Wunder, dass es quirlig voll ist, dass an den Nebentischen schon mit Spumante angestoßen wird. Lebensfreude scheint hier in den Wänden zu stecken. Vorweg gibt’s ein hölzernes Tablett mit Paprikajoghurt, Brot, Butter, Salz und Kräutern. Sehr gelungen sind die King Crab Cakes. Serviert werden sie cool auf Zeitungspapier, wobei die beschichtete Titelseite der New York Times gegen Flüssigkeit haltbar gemacht wurde. Es handelt sich um sehr zarte, flache Krabbenküchlein. Mit Zitrone, Mandelmilch, einem Hauch Knoblauch und gegrilltem Lauch zergehen sie praktisch auf der Zunge. Dazu gibt es Aioli à l’Americaine, die Mayonnaise also mit gerade so viel Knoblauch angereichert, dass man es angenehm herausschmeckt, aber nicht auf Tage zu den Misfits gehört, die jegliche Gesellschaft meiden müssen (15,50 Euro).

Kleine Schwächen

Einen etwas weniger glanzvollen Einstieg in das Dinner boten „Ceviche Tuna & Salmon“. Was vor allem am Lachs lag, dem die Marinade die sehnige Konsistenz nicht hatte nehmen können. Makellos daneben die Miniquadrate vom tief dunkelroten Thunfisch auf einem dünnen, kräutrig-grünen Avocadopüree. Koriander und Limette und dünne rote Zwiebelringe waren akkurat abgestimmt, um den Eigengeschmack zu erhalten. Toll war auch das graue knusprig-krustige Brot dazu (14,50 Euro). Vom Reuben Sandwich riet uns ein netter Kellner ab, weil es sehr authentisch zubereitet und so doch eher mächtig und nicht ohne Fettkalorien sei. Die Neugier blieb.

Mit good vibrations essen und ein bisschen kalifornische Leichtigkeit genießen. Soll die Landsberger Allee draußen doch rauschen.
Mit good vibrations essen und ein bisschen kalifornische Leichtigkeit genießen. Soll die Landsberger Allee draußen doch rauschen.Foto: Andel's Hotel / Mavericks promo

Yummie-Burger

Aber wir wurden auch glücklich mit dem Beef Burger aus Wagyu Rind. Das Fleisch hatte einen wirklich aparten Geschmack, war fest in der Konsistenz und, ja, fast ein Genusserlebnis. Die üblichen Zutaten, Salat, Zwiebel, Tomate, außerdem reifer Käse waren tadellos ausgewählt. Das Brötchen hatte eine luftige Brioche-Konsistenz. Und dazu gab es noch mit dünnen Gürkchenscheiben bedecktes Coleslaw Frisco Style in der Farbe eines pazifischen Sonnenuntergangs. Auch der Burger wird zünftig auf dem speziell präparierten Zeitungspapier serviert, was einladend und appetitlich nach Street Food alter Schule aussieht (15 Euro). Die „Sides“ dazu kann man individuell kombinieren, Süßkartoffel- oder Knoblauch-Pommes-Frites für den herkömmlichen Geschmack (3,50 Euro), getrüffelter, roh marinierter Spinat für die etwas exaltierteren Typen (4 Euro). Letzteren gibt es zum Beispiel als feste Beilage zum Klassiker „Surf & Turf“ mit Kalbsfilet und halbem Hummer (35 Euro). „Café Salmon Sideways“ besteht aus einer zarten, oben pikant angebratenen Lachsschnitte auf in Zitronenbutter überwiegend grün intoniertem Gemüse mit Fenchel, Artischockenböden und Tomaten. Schon gut (17 Euro).  Dazu passte der 2015er Cabernet Sauvignon Gold Country „Gold Country“ (9 Euro).

Ein Dessert zum Glück

Ganz besonders gut gefiel uns das Dessert, Churros. Das ist typisch mexikanisches Spritzgebäck, heiß serviert, natürlich ein bisschen fettig und dick mit Zucker bestreut, außen knusprig, innen weich und ein bisschen matschig. Dazu ein Nuss-Nougat-Dip, und sofort stellt sich das „Forever-young-Gefühl“ ein (5,50 Euro). Dafür verzichtet man zur Not auch auf das Sauerrahm-Feigeneis und das Beachbreak Brownie.

Seit Mai gibt es diese Oase für den entspannten Genuss mit Freunden. Können sie da noch etwas besser machen? Klar! Mut zum Unoriginellen hat noch niemandem geschadet. Ein Cesar’s Salad mit einer überraschenden kalifornischen Zutat würde die Karte bestimmt schmücken.

- Mavericks in Andel's Hotel. Landsberger Allee 106, Lichtenberg, Tel. 45 30 53 26 10, täglich 11 bis 23 Uhr

 

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