Von Tisch zu Tisch : Merhaba

Das Restaurant war früher ein Glanzlicht an der Hasenheide. Vor geraumer Zeit ist es nach Prenzlauer Berg gezogen - Zeit für einen Besuch

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Weiß gedeckt. Das Merhaba in der Greifswalder Straße.
Weiß gedeckt. Das Merhaba in der Greifswalder Straße.Foto: Mike Wolff

Der Kontrast hätte größer kaum sein können. Bei meinem ersten Besuch im April 1989 befand sich das Merhaba noch in der Hasenheide und wirkte mit der hellen, luftigen Einrichtung, den gefälligen Sitzgruppen der Pre-Lounge-Ära und dem konsequenten Verzicht auf Folklore wie ein Vorreiter einer Restaurant-Gattung, wie sie erst eine Weile nach dem damals noch unvorstellbaren Mauerfall in Mode kam. Dazu gab es einen geräumigen Vorgarten - ein perfektes Ausflugsziel mit hohem Wohlfühlfaktor.

Früher Hasenheide, heute Prenzlauer Berg

Heute befindet sich das Merhaba in Prenzlauer Berg unweit der Grenze zu Friedirchshain und Mitte. Der Betreiber Mehmet Özgan ist derselbe, aber der Stil hat sich gewaltig gewandelt. Es wirkt alles etwas krempeliger. Die unterschiedlichen Lampen könnten vom Flohmarkt sein, das allerdings gemütlich weiche Sofa ist mit Kissen übersät, auf kleinen braunen Tischen und Regalen stapeln sich Bücher und Zeitschriften. Auf den Tischen brennen immerhin Kerzen neben frischen Rosen. Am schönsten ist die Kellnerin, die sich im Laufe des Abends aber leider auch als etwas unbedarft herausstellt. Vielleicht ist sie eigentlich die Bauchtänzerin, denn neben Gemütlichkeit spielen hier auch orientalische Traditionen eine größere Rolle.

An der fein gehackten, von halben Cherrytomaten, Salatblättern, Gurkenscheiben und mit Kräutern pikant inszenierten gegrillten Aubergine gab es nichts auszusetzen, außer vielleicht, dass die Portion doch arg zart bemessen war (4,90). Der Vorspeisenteller für eine Person gab sich da schon reichlicher mit Hummus, Spinat, Bulgur, zwei mit Schafskäse gefüllten Blätterteigröllchen, Joghurt mit Gurke und einer Ahnung von Knoblauch, einem Stückchen Schafskäse, einem Artischockenherz, gegrillten Paprika und Auberginen, einem gefüllten Weinblatt, Oliven und Salat (10,50 Euro). Jahrzehntelange Erfahrung kann sowas im Schlaf.

Bei der Merhaba-Lammplatte waren die kleinen Buletten am überzeugendsten. Kotelett, Spieß und Filet waren doch eher schwer zu zerkleinern. Dazu gab es zweierlei Dips, eine lange Pepperoni und gegrilltes Gemüse (16,50 Euro).

Zander schwimmt in Butter

Das Zanderfilet aus dem Ofen stand in deutlichem Kontrast dazu. Saftig und butterweich zerfiel es fast in der effektvoll arrangierten Silberfolie. Es schwamm dort auch in reichlich Butter. Gut dazu passten geröstete Kartoffeln, Paprika, Brokkoli und Pepperoni (15,50 Euro). Als zusätzlichen Dip hatten wir noch eine Portion Cacik addiert, die allerdings bedauerlich wenig Knoblauch enthielt. Dafür gab es viele dicke Oliven dazu (4,50 Euro) – vielleicht ein Zugeständnis an den internationalen Geschmack, der hier natürlich omnipräsent ist. Den originellen Abschluss bildete eine schön knirschige und keineswegs zu süße Feigencreme mit Walnussbröckchen obenauf (5,20 Euro).

Schon öfter habe ich beobachtet, dass Männer vor dem Bezahlen die Rechnung studieren, als warte da eine Offenbarung auf sie, während Frauen sich leichter tun, mit raschem Blick auf den Endbetrag die geforderte Summe zu begleichen. Ich selber beschreite schon aus professionellen Gründen den Mittelweg und musste feststellen, dass uns statt der einen Flasche des allerdings sehr guten Villa Doluca Legend (20,50 Euro) gleich zwei andere preiswertere einer bestimmt nicht so guten Qualität berechnet wurden. Ein Tippfehler der Kellnerin, wie wir erfuhren. Leider war sie auch unserer anfänglichen Bitte, den leeren Seifenbehälter auf der Toilette auszutauschen, nicht nachgekommen. Ansonsten wurden wir freundlich und zügig, wenn auch nicht geradezu sprachmächtig bedient. Und als Goodwill-Aktion gab’s schließlich auch noch einen Raki aufs Haus.

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