Von TISCH zu TISCH : Nithan Thai

Ein neuer kulinarischer Trend heißt: individuell gestaltete fernöstliche Küche. Dieses Restaurant in Mitte ist dafür ein besonders positives Beispiel

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Alles andere als ein normales Thai-Restaurant: das "Nithan Thai" in der Chausseestraße in Mitte.
Alles andere als ein normales Thai-Restaurant: das "Nithan Thai" in der Chausseestraße in Mitte.Foto: Nithan Thai / promo

Die Küchenmoden kommen und gehen immer schneller – vielleicht, weil das Internet alle Restaurants dieser Welt verbindet und neue Ideen in Sekunden verbreitet? Ein wichtiges Thema dabei ist die Modernisierung der asiatischen Küche und ihre Verbindung mit Europa. Erst hieß das Konzept „Fusion“, dann machten alle auf „panasiatisch“, also viele asiatische Länderküchen auf einer Karte. Und im Moment ist die individuelle, persönliche Ausgestaltung fernöstlicher Motive das heißeste Küchenthema in Berlin. Deshalb ist das „Nithan Thai“ auch alles Mögliche, aber sicher kein Thai-Restaurant im üblichen Sinn. Das liegt schon daran, dass das Konzept vom israelischen Küchenchef Shahaf Shabtai entwickelt wurde, der sehr weit herumgekommen ist auf der Welt und kurioserweise für ein asiatisches Restaurant in Prag den „Bib Gourmand“ des Michelin bekommen hat – für gute, preisgünstige Küche.

Nach Lust und Laune

Die gibt es nun zweifellos auch in der Chausseestraße. Der Raum ist stimmig ohne allzu viel Getue eingerichtet, vermittelt beiläufigen Stilwillen statt andachtsvoller Stimmung. Die Karte gibt zunächst Rätsel auf, weil sie ohne Erklärung keinen Unterschied zwischen Vor- und Hauptgängen erkennen lässt, außer am Preis. Wer nicht auf Philosophieren aus ist, der lasse also Kategorien wie „Golden Sun“, „Sound“ oder „Inner Peace“ an sich abperlen und bestelle nach Lust und Laune nach und nach; ja, auch hier gibt es alles zum Teilen.

Kaum Klassiker

Shabtais Küche, die viele asiatische Motive mischt, ist dicht und würzig, sie packt zu und schmeckt nach mehr. Und Klassiker kommen kaum vor – ausgenommen der Papaya-Salat, der schön kontrastreich mit Cashew-Nüssen, Mango und Chili angerichtet wird, allerdings auch mit einem grenzwertig süßen Dressing. „Golden Gong“ heißen fünf dicke, sanft fritierte Riesengarnelen ausgezeichneter Qualität mit Spargelstreifen, überraschend auf einer Joghurtsoße angerichtet, die bei aller Köstlichkeit ein wenig zu sahnig-mächtig wirkt.

Hier ist gut speisen: Das Restaurant ist stimmig und ohne allzu viel Getue eingerichtet und vermittelt beiläufigen Stilwillen.
Hier ist gut speisen: Das Restaurant ist stimmig und ohne allzu viel Getue eingerichtet und vermittelt beiläufigen Stilwillen.Foto: Nithan Thai / promo

Ganz wunderbar ist „Thong Kum“, mürbes Rindfleisch, mit Mandarinen und Sesam à la Sushi in Pandan-Blätter gerollt; viel puristischer kommt „Sashi Sashimi“ auf den Teller, roher weißer Fisch, vermutlich Wolfsbarsch, mit Chilischeiben eingelegt in eine Miso-Yuzu-Marinade, die wiederum recht süß schmeckt, aber dem Fisch dennoch nicht weh tut. Unter „Massaman Mai“ gibt es offenbar häufiger wechselnde Zubereitungen mit dem besagten Curry, allerdings als ausgetüftelte Vorspeise. Wir probierten eine mit Rind und geschmolzener Foie Gras in Rollen und einem eher indisch anmutenden ofenwarmen Erbsen-Minz-Brot – ein Knaller (alles überwiegend zwischen 12 und 20 Euro).

Desserts über Normalnull

Das mag jetzt unprofessionell wirken – aber für die regulären Hauptgänge hatten wir, selbst überrascht, keinen Platz mehr. Das lag zum einen an der recht kalorienhaltigen Zubereitung, aber zum anderen daran, dass wir uns lustvoll wie selten einfach über alles hermachten, was da aus der Küche kam und die erwähnten Einwände letztlich zur Seite fegten.
Aber bei den Desserts ging noch was, und schau an: Auch die lagen weit über Normalnull. In der keineswegs banalen „Dum brulee“ mit Mangowürfeln bezirzte uns ein Aroma von herb geröstetem Sesam. Und das Semifreddo von der Kaffirlimette lag sorgfältig geschichtet zwischen dünnen Blättern aus Knusperteig, begleitet von Himbeeren, Erdbeeren und einem Hauch Rosmarin. Dazu gute Weine – die aber angesichts einer umfangreichen Auswahl von Säften und Cocktails nicht so wichtig sind – und ein aufmerksamer Service. Da ist den Leuten vom Nithan aus dem Stand was gelungen, was hinhaut. Ich wäre glatt am nächsten Tag nochmal hingegangen.

- Nithan Thai. Chaussestr. 5, Mitte, Tel. 55 21 39 69, täglich 12 bis 15 und 17 bis 01 Uhr geöffnet. Kein Ruhetag.

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