Von TISCH zu TISCH : Roca

Zum Essen in der City West ins Waldorf Astoria? Warum nicht, das Restaurant im Parterre bietet einfallsreiche, sehr wohlschmeckende Küche

von
Restaurant mit Aussicht: Das "Roca" im Parterre des Hotels Waldorf Astoria. Foto: Roca / promo
Restaurant mit Aussicht: Das "Roca" im Parterre des Hotels Waldorf Astoria.Foto: Roca / promo

Frisch, gesund, modern: Das neue Konzept für das „Roca“ im Waldorf Astoria ist noch ein Erbe von Sterne-Koch Roel Lintermans, der das Haus im vergangenen Herbst verlassen hat. Das luftige, helle Restaurant im Erdgeschoss bestreitet derzeit allein das kulinarische Programm des Hauses. Man sitzt besonders in den mittleren Sitzgruppen ganz gemütlich. Schlichte Windlichter schmücken die Tische, das Besteck wird auf schweren, weißen Stoffservietten abgelegt, dunkles, kräftiges Brot lagert in einem Stoffbeutel, dazu gibt es vorweg verschiedene Olivensorten. Im Frühjahr kann man außerdem wieder auf der zur Straße hin gelegenen Terrasse sitzen.

Deutsche Klassiker mal exotisch

Es dauerte ein Weilchen, bis die Vorspeisen kamen. Die rote Linsensuppe mit Würzbutter und Croutons wurde in einer beeindruckenden Terrine serviert. Das war schon fast ein Gericht für sich. Die Schärfe, verbunden mit den zitronigen Akzenten, gab dem Klassiker der deutschen Küche eine besondere Note zwischen exotisch und erfrischend (8 Euro). Zeitgleich kam der aus der Vitrine ausgesuchte, gut angemachte Salat aus bissfesten gelben und orangefarbenen Möhrenstücken, Kichererbsen, Koriander und Minze (7 Euro). Die Kombination von eher winterlichen Deftigkeiten mit fernwehgetränkten Gewürzen erscheint in jedem Fall erfolgversprechend. Den Ziegenkäse-Ravioli schmeckte man die Handschrift des erfahrenen Küchenchefs ebenfalls an. Estragon, Zitrone und rosa Pfeffer brachten den Extrakick Frische hinein. Der Käse in den bissfesten Ravioli war weiß und cremig und eher dezent im Geschmack (17 Euro).

Clubsandwich mal aufregend

Geradezu begeistert hat mich ein Gericht namens „Sauerteig Brot“. Das klingt auf Anhieb nicht sehr aufregend, und es sah auch gar nicht spannend aus, eher wie ein zusammengestecktes Clubsandwich aus Grahamtoast. Aber der Geschmack war wirklich toll, genau die richtige Menge Pesto-Mayonnaise gab dem zarten, gegrillten Hühnchen Geschmack. Emmentaler und dünn geschnittene Chorizo addierten interessante Noten, und Wildkräuter sowie Scheiben von der schwarzen Tomate setzten innovative Akzente. Dabei war alles so bedacht dosiert, dass man tatsächlich hineinbeißen konnte, ohne sich den Gaumen zu verrenken, um die intelligente Aromen-Komposition kampf- und krümellos zu genießen. Ein halbes, fast noch weiches gekochtes Ei dazu, na gut, das war wohl mehr zur Dekoration. Eigentlich hätten Pommes Frites mit Pesto-Mayonnaise noch dazu gehört, aber die konnten ohne Komplikationen mit dem gedämpften Gemüse aus der Beilagen-Karte ausgetauscht werden: Brokkoli, Blumenkohl, noch mehr Möhren ohne irgendwie auffällige Gewürze oder Kräuter, sicher eine gute Alternative, wenn man den neuen Gesundheitsakzent ernst nimmt (15 Euro).

Zum Dessert mal ein Törtchen

An unserem Abend wechselten die Gäste relativ rasch, was an den vergleichsweise hohen Weinpreisen liegen mag. Wo das Glas Wein 7 bis 9 Euro für 0,1 Liter kostet, werden Gäste ohne Budget für Sterne-Restaurants wohl lieber Alternativen suchen. Der preiswerteste Flaschenwein kostet 39 Euro. Mit dem waren wir dann trotzdem zufrieden, ein 2014-er israelischer Chardonnay von Barkan. Gehaltvoll, sonnengetränkt und fruchtig harmonierte er mit dieser Art von Essen gut. Die nette, kenntnisreiche Kellnerin hatte noch gewarnt, dass der Wein nicht mehr koscher sei, wenn sie ihn öffnet und wusste auch zu erklären, warum. Damit konnten wir leben.
Das feine Blutorangentörtchen mit einer mit Blattgold verzierten Schokoladengirlande und leicht säuerlichen Akzenten zwischen Marzipansüße und feinem Kuchenteig ließ beim Dessert keine Wünsche offen (4 Euro). Alternativ bieten sich Pralinen am Stiel als kleine, patente Nascherei zum Kaffee an.

- Roca im Waldorf Astoria. Hardenbergstr. 28, Charlottenburg, Telefon 81 40 000, Mo bis So 7 bis 22 Uhr

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben