Von Tisch zu Tisch : Schatz

Unterschiedliche Restaurants gibt's viel im Bötzowviertel in Prenzlauer Berg. Doch das Schatz ist ein besonderes Schätzchen

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Gemütlich. Dazu ist der Service im Schatz auch noch gut.
Gemütlich. Dazu ist der Service im Schatz auch noch gut.Foto: promo

Diesen Schatz findet man nicht leicht von allein. Von der Straßenbahnhaltestelle kommend geht es an einer Reihe durchaus verlockend aussehender Restaurants unterschiedlicher Ethnien vorbei, bis man vor der auf den ersten Blick eher unscheinbaren Straßenterrasse steht.

Der erste Blick täuscht freilich. Man nimmt Platz auf bequemen Holzsesseln. Die Mitteilung, dass es dafür Kissen gebe, aber leider keine Decken, folgt sogleich seitens des Gastgebers. Im Innenraum leuchten schwere weiße Tischdecken, sind große Bilder wie zufällig, doch höchst dekorativ an die Wände gelehnt, laden wandlange Sofas zum weicheren Sitzen ein. Geschmackvolle Leuchten vor alten Kachelwänden – ein behagliches Ambiente der gehobenen Art. Nichts, was man nach gängigen Klischees unbedingt in dieser Gegend erwarten würde.

Der Service ist angenehm frei von Arroganz

Zur Einstimmung dreierlei außen krustiges, innen fluffiges Brot, serviert mit weicher salziger Butter und einem eiskalten Crémant Rosé (5,50 Euro). Und obwohl hier offensichtlich der Ehrgeiz mitmischt, ist der Service angenehm arroganzfrei – leider in Berlin immer noch keine Selbstverständlichkeit.

Als Gruß aus der Küche gab es eine kalte Selleriesuppe mit Apfel-Petersiliensalat und Bacon-Würfelchen – Amuse Gueule im besten Sinne. Die geeiste Gurkensuppe als Vorspeise hatte eine schöne Konsistenz, war ganz dick, wirkte fast wie eine Zungenmassage. Kerbelbuttermilchschaum und eine Hauch von Schwarzbrot gaben ihr eine besondere Note (5,90 Euro). Sehr gut schmeckte auch der geschmolzene weiße Ziegenkäse in Knuspertäschchen aus Filoteig auf reichlich dosierter Auberginen-Tapenade, dazu Miniröschen vom marinierten Blumenkohl, Pflaumentomaten und einen Wildkräutersalat, unter dem der Koch gern eine Überraschung der Saison versteckt – bei unserem Besuch etwa Birnenstifte. Er verriet auf Nachfrage auch, was in der Weihnachtszeit ausgegraben werden darf: Bratapfelstücke. Klingt verlockend, schon weil dann noch eine weitere Dimension von Wärme hinzukommt (9,50 Euro).

Etwas trockene Kartoffeltarte

Die Scheiben von der Barbarie Entenbrust waren etwas vorsichtiger dosiert, aber ordentlich gebraten. Eine längliche Kartoffeltarte war zwar etwas trocken, Tupfer und Würfelchen vom Kürbis, wuchtiges Pak Choi-Gemüse und außerdem Heidelbeeren samt Jus gaben dem Gericht dann aber ausreichend Temperament (17,50 Euro).

Sehr gut gefiel mir das Kotelette vom Thüringer Duroc Schwein, saftig, appetitlich gebraten und gut gewürzt. Dazu gab es marinierten Spitzkohl, Tupfer von Kartoffel-Sellerie-Püree und gehärtete Karottenscheiben (18,90 Euro).

Das Dessert war noch einmal ein richtiges Feuerwerk. Rotweinkirschen sammelten sich verführerisch auf einer schneeweißen Limetten-Topfen-Mousse, dazu kamen ein knuspriges Granola-Rund und reichlich Schokoladenespuma (7,90 Euro).

Gut sortierte Weinkarte

Die Weinkarte im „Schatz“ ist gut sortiert, auch die Auswahl an offenen Weinen ist schön groß. Wir entschieden uns für den 2015er „Alleskönner“ von Becker-Landgraf aus Rheinhessen, der als Empfehlung des Monats auf der Karte stand, für Mövenpick abgefüllt war und insgesamt erfrischend solide schmeckte.

Bleibt die Frage, wie es einen solchen Schatz nach Prenzlauer Berg verschlägt, wo sich die Restaurants sowieso schon derart stapeln, dass die Touristen ganz wuschig werden. Die Leute in, sagen wir, Lichtenrade oder Dahlem oder auch Reinickendorf würden sich bestimmt freuen, wenn sie so etwas Kleines, Feines auch einmal in der Nähe hätten.

Schatz, Hufelandstr. 31, Prenzlauer Berg, Tel. 41 93 48 61, Di bis Sa von 18 bis 23 Uhr

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