Von TISCH zu TISCH : Schloss Schwante

Die Gegend lohnt einen Wochenendausflug, das Restaurant ebenfalls: ein wenig szenig-schräg, aber gut und mit ordentlichen Preisen

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Dinieren nach Gutsherrenart: Im Restaurant von Schloss Schwante sitzt es sich prächtig mit Blick auf den Park. Foto: Schloss Schwante / promo
Dinieren nach Gutsherrenart: Im Restaurant von Schloss Schwante sitzt es sich prächtig mit Blick auf den Park.Foto: Schloss Schwante / promo

Der Berliner Speckgürtel draußen ist kulinarisch, wie hier oft beklagt wurde, eher mit Magerquark gefüllt. Fast alle Versuche, ein bisschen mehr als das Übliche zu servieren, scheitern nach kurzer Zeit und machen riesigen Speisekarten mit allem für jeden Platz – da halten selbst gehobene Hotels nicht durch, denen man mehr Ehrgeiz zutrauen würde. Letzter Abgang: Das Restaurant Klostermühle in Alt-Madlitz, zum Jahresbeginn mit neuem Küchenchef gestartet, ist nur noch am Freitag und Sonnabend und nur noch für Hotelgäste geöffnet, der Küchenchef ist weg.

Auf der grünen Wiese

Stunde der Seiteneinsteiger! Ich bin hier schon mal kurz auf den sympathischen Wahnsinn von Berliner Theaterleuten eingegangen, die sich das heruntergekommene Schloss Schwante – eher ein Gutshaus – an Land gezogen haben und es nun als Spielstätte und Restaurant betreiben. Das ist jetzt ein wenig konkreter geworden, aber das Haus hat dank vorsichtiger Restaurierung seinen Charme behalten, und über der grünen Wiese, auf der bei gutem Wetter die Gäste sitzen, hängt immer noch der Kronleuchter.

Sechs für zwei

Das Ganze ist also ein wenig szenig-schräg, und die Köche passen sich dem an. Sie haben an der Moderne geschnuppert, machen aber hier – nur von Freitag bis Sonntag – nicht mehr, als sich auch problemlos verkaufen lässt. Deshalb können Perfektionisten nun das Weiterlesen abbrechen; mir hat es, angemessene Erwartungen vorausgesetzt, durchaus Spaß gemacht. Zum Preis von 19,90 Euro gibt es beispielsweise die „Schwante Tapas“, sechs kleine Zubereitungen, die für zwei reichen. Fast durchweg gut: gezupftes Schwein aus dem Räucherofen mit Kartoffelbrot und Krautsalat, Gemüse in Reispapier auf Salat, gratinierter Ziegenfrischkäse mit Feigen und Kürbis, deftige Salami mit Feta und ungenannter Fisch (ein bisschen lau und weich) auf Kartoffelsalat.

Für jedes Wochenendbudget

Offenbar setzt die Küche voraus, dass das als ganzes Menü gilt und hat deshalb auch das Dessert, ein Stückchen Quarktorte mit Pfirsichen, gleich eingebaut, das schien mir entbehrlich. Bei diesen Tapas handelt es sich meist um kleine Versionen von Gerichten, die auch solo zu haben sind, dann kostet das Gezupfte 14,90 Euro und der vorzügliche Ziegenfrischkäse 9,90, das sollte eigentlich jedes Wochenendbudget hergeben. Wie zu Hause schmeckte der Salat aus verschiedenen Sommerbohnen mit Oliven, Tomaten und Pellkartoffeln (8,90), und wer noch hungrig ist, der findet vom Schnitzel mit Wildkräutersalat über guten Käse bis zum Kaiserschmarrn sicher seins.

Vier Gänge mit Gesang

Ein paar anständige Getränke sind verfügbar, Kaffee und Kuchen sowieso – ich wüsste also nicht, warum man da nicht mal hinfahren sollte, vom nördlichen Stadtrand geht das per Auto in 20 Minuten. Am 14.Oktober und 18. November gibt es dort übrigens „Pasta Opera“, vier Gänge mit Gesang für 79 Euro.

- Schloss Schwante, Schlossplatz, Oberkrämer OT Schwante, Tel. (033055) 221730, Fr bis So 12-21 Uhr, auch Feiertage

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