Von Tisch zu Tisch : Suksan

Da kommen nostalgische Gefühle auf: Das "Suksan" lockt mit West-Berliner Gemütlichkeit und thailändischer Karte

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Gemütlichkeit im Bambus-Ambiente
Gemütlichkeit im Bambus-AmbienteFoto: promo

Von außen ähnelt das thailändische Restaurant einem Aquarium. Das liegt zum einen an der grünlichen Beleuchtung, zum anderen an den Pflanzendekos. Das Suksan ist was für Nostalgiker mit Heimweh nach West-Berlin. Alles wirkt etwas renovierungsbedürftig, aber die imitierten Bambushütten vermitteln eine Gemütlichkeit, die Berliner aus der Ära Prä-Gentrifizierung zu schätzen wissen. Ja, man solle besser reservieren, hatten wir erfahren, und tatsächlich war es ziemlich voll. Eine lange Festtafel bog sich förmlich unter farbenfrohen Gerichten. An anderen Tischen aßen Singles zu Abend, ältere Herrschaften feierten ihre eigene Art von Hedonismus.

Dass der Grauburgunder aus der Pfalz, dessen fruchtige Aromen eloquent beschrieben waren, leider aus war, lässt sich en famille wohl nicht vermeiden. Der Bruder von der Nahe wurde nicht nur zu warm serviert, sondern kam blass daher, was bei asiatischem Essen immer problematisch ist (19,90 Euro).

Auch entenfreie Suppe

Vorweg probierten wir eine „duftig eingelegte Limettensuppe“, im Grunde Entensuppe, serviert in einer Porzellanschale mit blauweißem Porzellanlöffel. Die Brühe war kräftig, die Einlage aus Thaisellerie und Schlangengurken knackig und die Entenstreifen reichlich, inklusive der Fettstreifen (4,20 Euro). Man könne die Suppe auch entenfrei mit Gemüse bekommen, sagte die als Gastgeberin agierende Kellnerin beim Abräumen mit kritischem Blick auf die Reste. Die bessere Vorspeisenwahl waren knusprige Wantan-Teigtäschchen, gefüllt mit Hühnerfleisch und serviert mit einer süßscharfen Chilisauce (3,90 Euro).

Die kross gebackene Entenbrust war deutlich besser, als ihre zu Suppenfleisch verarbeitete Schwester. Knusprige Haut, zartes Fleisch und dazu gab es eine aromatische Sauce aus im Wok gebratenem roten Curry mit Kokosmilch, süßem Basilikum, Thai-Aubergine, Pfeffer, Paprika und Bambus. Dass dieses Gericht auf der Karte die Nummer 370 trug, hätte uns fast abgeschreckt – wäre aber schade gewesen. Als Deko steckten noch einige einschlägige Möhrenschnitzereien drauf.

Ein Küchlein aus gebratenem Reis

Okay, dann auf zur Nummer 468. Da bekamen wir ein klassisches Küchlein aus gebratenem Reis, mit vielen eingearbeiteten Garnelen, außerdem Möhrenwürfeln, Zwiebelstreifen und Eibröckchen. Schön serviert wurde es auf einem blauweißen, blütenförmigen Teller mit drei verschieden scharfen Saucen. Ein Gericht, bei dem der von keiner Foodie-Philosophie touchierte Normalo-Genießer anfängt, das gute Preis-Leistungs-Verhältnis zu loben (12,90 Euro).

Zum Dessert wollten wir eigentlich Mango-Eis probieren. Die erste Variante in der eigenen Schale war aus, von der Florida-Kugel riet man uns ab, weil die erst auftauen müsse. Also gebackener Apfelring mit einer sehr dünnen, weißen Vanillesauce und einer Kugel Vanilleeis (4,50 Euro). Der Eiskaffee schmeckte erstaunlich stromlinienförmig, dem hätte ein kleines Thai-Gewürz noch gut getan, dafür steckten aber zwei Kugeln Vanilleeis drin (5,50 Euro). Ganz unaufgefordert bot man uns an, die restliche Ente als „Doggie Bag“ zu verpacken. Fazit: Familiärer Charme mit zeitgemäßen Anmutungen von Sparsinn bis zum guten Ende.

Suksan, Ansbacher Str. 4, Charlottenburg, Tel. 21 01 86 73. Geöffnet Mo. bis Fr. ab 12, Sa. ab 16, So. ab 17 Uhr.

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