Berlin : Von Trübsal ist in der Kirche keine Spur Das Don-Bosco-Heim muss 2005 schließen

Sven Schade

Strahlendes Augustwetter am Wannsee. Während am Vormittag die meisten Berliner mit Strohmatte und Handtuch Richtung Strand ziehen, singt die Gemeinde in der nahe gelegenen Don-Bosco-Kirche ihr Eingangslied: „Sonne der Gerechtigkeit“. Das passt zum einen zur Predigt, die von Jesu Licht und Verheißung erzählt. Zum andern zu den Sonnenblumen vor dem Altar.

Von Trübsal merkt man nichts, aber: Die Tage des Kinder- und Jugendheimes Don Bosco sind gezählt. Noch bietet die Einrichtung der katholischen Ordensbrüder Salesianer 60 jungen Menschen aus zerrütteten Familienverhältnissen ein neues Zuhause. Dem Land Berlin ist das zu teuer: Es hat angekündigt, dass die Zuschüsse gekürzt werden. Die zehn Berliner Salesianer Brüder können die dadurch entstehende Mehrarbeit aber nicht leisten, die Kosten für Angestellte sind wiederum zu hoch. Also wird das Heim im März 2005 schließen.

Aber davon kein Wort im Gottesdienst. Erst danach gesellt sich Pater Johannes Thiemann zu einer Besuchergruppe und erklärt, wie es weitergehen soll. „Wir Salesianer bleiben auf jeden Fall in der Stadt.“ Thiemann will sich mit seiner Ordensgemeinschaft weiterhin für Jugendliche engagieren. Ein Drittel des Geländes würden die Brüder gerne übernehmen, doch das Areal steht nicht zum Verkauf. „Die Leiterin unseres Reit-Therapie-Zentrums spielt mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen und das Angebot privat weiterzuführen“, sagt Thiemann. Den Streichelzoo aber – mit Ponys und Schafen – müsse man in jedem Fall schließen.

Sebastian Rutz (18) absolviert momentan in der Malerwerkstatt von Don Bosco ein Praktikum. „Hoffentlich kann unsere Wohngruppe zusammenbleiben.“ Das Zusammenwohnen, gemeinsam einzukaufen und hauszuhalten, gehört zum Don-Bosco-Konzept. Jetzt suchen Sebastian und seine WG nach einem neuen Träger. Thiemann ist zuversichtlich: Einrichtungen wie das Piushaus Berlin oder das Behindertenheim St. Maria hätten bereits Interesse signalisiert.

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