Berlin : Von wegen Urlaub: So jobben Schüler im Sommer

Babys betreuen, Umzugskisten schleppen, Staub saugen – vor allem private Anbieter suchen Jugendliche. Bei Firmen hingegen sind Angebote knapp

Laurence Thio

Für viele Berliner Schüler ist der erste Ferientag gleichzeitig der erste Arbeitstag. Sie verteilen Prospekte, geben Nachhilfe und arbeiten als Möbelpacker. Allerdings wird es für Jugendliche immer schwerer, einen Ferienjob zu bekommen, wie eine Umfrage ergab.

So wird man bei großen Unternehmen immer weniger Schüler antreffen. Dort einen Job zu ergattern, ist Glückssache. Die meisten Jobangebote kommen aus dem privaten Bereich. „Sehr gefragt sind jetzt Umzugshelfer, Babysitter und Haushaltshilfen“, sagt Torsten Daus, Geschäftsführer der Online-Jobbörse Ansus. In Berlin wenden sich Schüler, die ihr Taschengeld aufbessern möchten, an diese Jobbörsen im Internet – die Vermittlung ist für die Jugendlichen kostenlos. Andere werden beim Blick in Zeitungen und Magazine fündig. Glück haben angehende Jobber beim Fast-Food-Konzern McDonald’s. Bezahlt wird nach Tarifvertrag. Wer Lust hat, solle sich direkt bei einer Filiale melden, sagt Pressesprecher Alexander Schramm. Bei Burger King hingegen werden Interessenten abgewiesen: keine Schülerjobs. Die Vertriebsfirma für Werbeprospekte Reklame Beckmann beschäftigt auch keine Schüler mehr. Ähnlich sieht es bei der Karstadt Quelle AG aus. Aufgrund der wirtschaftlichen Probleme werde in diesem Bereich gespart, sagt Pressesprecher Michael Scheibe. Gleiches gilt für Berlins Maler- und Lackiererbetriebe, ist bei deren Innung zu hören. Auch die Supermärkte der Kaiser’s Tengelmann AG vergeben keine Ferienjobs.

Robert Rath, Pressesprecher vom Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheit und technische Sicherheit (Lagetsi) weiß, dass „viele Firmen lieber langfristig einstellen“. Für die Unternehmen ist die Beschäftigung von Schülern meist unattraktiv, weil die Jugendlichen nur für kurze Zeit bleiben und neu eingearbeitet werden müssen. So stellt beispielsweise Ikea Schüler ein – aber nur für dauerhafte Tätigkeiten. Viele Jugendliche beklagen nun, dass ihnen wichtige Erfahrungen in der Arbeitswelt verloren gehen.

„Trotz der schlechten Lage sollten Schüler nicht jede Anstellung annehmen“, rät Robert Rath. Die Jugendlichen sollten sich vorher über die Tätigkeit informieren, ihre gesetzlichen Rechte kennen und „dann möglichst selbstbewusst auftreten“. Denn gerade noch unerfahrene Schüler würden häufig von Arbeitgebern ausgenutzt, so die Erfahrung des Lagetsi.

Mit 15 Jahren können Schüler bis zu acht Stunden am Tag arbeiten, vorher dürfen sie nur leichte Aushilfstätigkeiten wie Babysitten oder Prospekte verteilen übernehmen. Ferienjobber sind gesetzlich unfallversichert, es fallen also keine Kosten an. Schüler dürfen nicht mit gesundheitsschädlichen Arbeiten beschäftigt werden. Das heißt, auf der Baustelle aushelfen oder schwere Lasten schleppen ist laut Gesetzgeber verboten. Besonders wichtig ist es nach Auskunft der Experten außerdem, einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, in dem Arbeitszeiten, -leistung und -vergütung festgehalten werden. Der Verdienst für die kleinen Nebenjobs liegt in der Regel zwischen 5 und 12 Euro netto. Als Geheimtipp gilt übrigens Blutspenden – das machen viele schon längst auch außerhalb der Ferien.

Jobbörsen im Internet

www.jobber.de, www.jobs3000.de und www.ansus.de

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