• Von wo aus der Fusionsbezirk regiert wird, ist noch unklar - beide Rathäuser sollen als Verwaltungszentren und Anlaufstellen erhalten bleiben

Berlin : Von wo aus der Fusionsbezirk regiert wird, ist noch unklar - beide Rathäuser sollen als Verwaltungszentren und Anlaufstellen erhalten bleiben

CD

Noch sind die politischen Fronten in Charlottenburg und Wilmersdorf recht klar, doch bald könnte eine ganz neue Situation entstehen. Bisher sind speziell in Wilmersdorf nahezu alle Beschlüsse vorhersehbar, weil die CDU drei der fünf Bezirksamtsmitglieder stellt und in der BVV die absolute Mehrheit hat - wenn auch nur mit einer Stimme Vorsprung. In letzter Zeit gab es nur eine Überraschung: Ein unbekannter CDU-Verordneter verhalf der Vize-Bürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Monika Thiemen (SPD) ins Amt. Die CDU hatte sich gegen die Kandidatin ausgesprochen, doch nach mehreren geheimen Wahlgängen gab es plötzlich eine Enthaltung.

Heftiger Streit entflammte innerhalb der CDU Wilmersdorf bei der Kandidatenaufstellung fürs Abgeordnetenhaus: Die jungen Hoffnungsträger Monika Grütters und Peter Kurth bekamen erst nach einer vom Landesverband angeordneten Wiederholung der Abstimmungen ein Direktmandat beziehungsweise einen Listenplatz - gegen den Willen des Kreis-Chefs Ekkehard Wruck, der zurzeit durch Bibelzitate auf seinen Wahlplakaten auffällt. Ob die CDU weiterhin allein entscheiden kann, ist fraglich: Weil bei der BVV-Wahl nur noch eine Drei-Prozent-Hürde gilt, hält CDU-Baustadtrat Alexander Straßmeir einen Einzug der FDP für wahrscheinlich. Das wiederum könne die CDU die absolute Mehrheit der Sitze kosten.

In der BVV Charlottenburg sind rot-grüne Mehrheiten die Regel, manchmal stimmt eine der Fraktionen aber auch mit der CDU. Vorhersagen über die Mehrheiten nach der Wahl hält SPD-Bürgermeisterin Monika Wissel für "sehr schwierig". Durch die Drei-Prozent-Regelung könnten die PDS, die FDP oder die Republikaner BVV-Sitze erhalten.

Beide Bezirke bilden das Herz der City West, die wichtigste Gemeinsamkeit ist der (überwiegend zu Charlottenburg gehörende) Kurfürstendamm. Manche Entscheidungen, etwa über die umstrittenen Hochhausprojekte auf Charlottenburger Seite, fallen jedoch nicht auf Bezirks-, sondern auf Senatsebene. Wilmersdorf ist wohlhabender als sein Partnerbezirk. Das zeigt unter anderem die Zahl der Sozialhilfeempfänger und Arbeitslosen, die prozentual nur rund halb so groß ist. CDU-Stadtrat Straßmeir meint, die Fusion werde "nicht viel spürbar ändern".

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