Berlin : Vor Ärger rot?

Pro & Contra: Hertha BSC wünscht sich eine blaue Tartanbahn – Kritiker verweisen auf den Denkmalschutz

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Eine blaue „Aschenbahn“ im Olympiastadion: Hertha BSC ist dringend dafür, weil es die Vereinsfarbe auf der Tartanbahn am Rand des Fußballfelds sehen will.

Die Besucher sollen immer vor Augen haben, dass sie bei Hertha zu Gast sind. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat nichts gegen einen blauen Rand am grünen Spielfeld, „wenn es keine gravierenden Einwände gibt“. Nach einem Gespräch mit Wowereit bei der kürzlichen 110-Jahr-Feier des Vereins gaben sich die Hertha-Verantwortlichen hoffnungsvoll, dass sie bald ihre blauen Träume verwirklichen können.

Der Vorstoß kommt für die Öffentlichkeit überraschend. Bei Hertha heißt es, man habe schon lange insgeheim den Wunsch nach Blau gehabt.

Kritik und Bedenken hat bisher vor allem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geäußert, und da besonders das ihr untergeordnete Landesdenkmalamt. Es seien in erster Linie gestalterische und ästhetische Gründe, teilte die Behörde zu den Überlegungen mit, erinnerte aber auch daran, dass die berühmte Sportstätte bei aller Modernisierung noch immer ein Baudenkmal ist. Und eine blaue Bahn widerspräche den bisher vorgestellten Plänen. Offenbar werde vergesssen, dass es im Olympiastadion nicht nur Fußball gebe.

Vor allem die Leichtathleten seien rote Bahnen gewöhnt. Kritiker weisen auch darauf hin, dass eine blaue Bahn rund 40 000 Euro teurer ist als eine rote. Und wer die Mehrkosten zahlen soll, müsse dann noch geklärt werden.

Die Firma Walter-Bau, die das Olympiastadion bis 2004 umbaut, muss spätestens im nächsten Jahr wissen, wie der „Farbenkrieg“ entschieden wird. Bisher geht man davon aus, dass die Tartanbahn rot wird. Alle warten nun auf ein klärendes Wort des Senats, der allerdings gerade andere Sorgen hat. Hertha will als künftiger Mitgesellschafter des Stadionbetriebs bei der Gestaltung mitreden. Ursprünglich hatte man sich auch blaue Sitze gewünscht, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Nun sind die Sitze grau. Mit der Anlage der Tartanbahn hat es auch deshalb noch Zeit, weil die Fläche derzeit asphaltiert ist und als Straße für Baufahrzeuge genutzt wird. Das Spielfeld wurde in den vergangenen Wochen um fast drei Meter gesenkt. Der spektakuläre Erdaushub war die bislang umfangreichste Umbauarbeit in diesem Jahr.C. v. L.

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