Berlin : Vor dem Anpfiff tanzen die Kinder

2000 Berliner Schüler proben derzeit im Olympiastadion für die WM-Eröffnungsfeier am Sonntag

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Mahlsdorf macht mit. Die Kinder der Best-Sabel-Grundschule repräsentieren am Sonntag bei der Eröffnungsfeier Brasilien. Foto: privat
Mahlsdorf macht mit. Die Kinder der Best-Sabel-Grundschule repräsentieren am Sonntag bei der Eröffnungsfeier Brasilien. Foto:...

So bunt war die blaue Tartanbahn im Olympiastadion lange nicht mehr. Überall tanzten Kinder an diesem Freitag, sie bildeten Kreise, fuchtelten mit den Armen herum. Und aus den Boxen hämmerte so laut der Beat, dass er sogar noch draußen zu hören war auf dem S-Bahnhof Olympiastadion.

2000 Schüler aus Berlin sind hier in diesen Tagen im Einsatz, sie proben für die große Eröffnungsfeier der Frauen-WM, das heißt: So ganz groß wird die Fete gar nicht sein, elf Minuten wird das Spektakel lediglich dauern. Jede Schülergruppe trägt dafür Schals und Shirts in speziellen Farben, sie stellen jeweils eines der 16 WM-Länder dar. „Es wird knackig, es wird kurz. Genau so, wie man sich eine Eröffnungsfeier wünscht“, hat Steffi Jones, die Präsidentin des WM-Organisationskomitees (OK), angekündigt.

Ab 18 Uhr soll schließlich der Fußball im Mittelpunkt stehen, dann treten die Deutschen gegen Kanada an. Das Stadion ist mit mehr als 70 000 Besuchern ausverkauft.

Für die Show vor dem Anpfiff hat Dirk Seidler die vergangenen beiden Tage fast komplett im Stadion verbracht. Der Lehrer der privaten Best-Sabel-Grundschule in Mahlsdorf betreut 60 Mädchen und Jungen, die bei der Feier Vizeweltmeister Brasilien repräsentieren oder als Wagenschieber eingesetzt werden. „Ich habe mal rumgefragt: Alle Schüler haben viel Spaß“, sagt Seidler. Auch wenn die Proben sehr anstrengend sind: „Showteil, Showteil, Showteil, warten – und nochmal der Showteil.“ Eine willkommene Abwechslung war da eine Regenpause, die die Mahlsdorfer Kinder auf der Vip-Tribüne verbrachten. „Da kamen 100 Fragen“, sagt Seidler. „Zum Beispiel: Und hier sitzt also Frau Merkel?“ Dass alle Schüler am Freitagabend früher als geplant nach Hause geschickt wurden, lag allerdings nicht am wechselhaften Wetter. „Die Proben liefen sehr gut“, sagt Dirk Seidler. „Und man wollte die Kinder nicht überstrapazieren.“

Am Sonnabend schon wird ein nicht ganz unwichtiges Objekt in Berlin eintreffen. Am Morgen hält im Untergeschoss des Hauptbahnhofs, Gleis 14, ein ICE. An Bord werden sicherlich viele Touristen sein – und der WM-Pokal. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und OK-Chefin Jones werden die Trophäe standesgemäß in Empfang nehmen. Sehr lange wird die Prozedur aber nicht dauern, der Pokal reist sofort weiter zum Potsdamer Platz, wo das WM-Rahmenprogramm „Spielfreude“ zu Gast ist. Dort wird ein kleines Fußballstadion aufgebaut, in dem man bei Geschicklichkeitsspielen sein Können zeigen kann. Am Sonntag zieht die „Spielfreude“-Tour zum Olympiastadion.

In Berlin findet – anders als bei der Fußball-WM 2006 – lediglich das Eröffnungsspiel statt. Am Sonntag sollten die Fans die S-Bahn zum Olympiastadion benutzen. Vor Spielbeginn um 18 Uhr fahren die Züge mindestens alle fünf Minuten. Nach dem Abpfiff ist dieser Sonderverkehr ebenfalls geplant. Auch auf dem südwestlichen Teil des Rings will die S-Bahn mehr Züge fahren lassen. Zum ersten Mal bewähren muss sich dann das neue Informationssystem am S-Bahnhof, das mit 750 000 Euro vom Land finanziert worden ist. Insgesamt wurden nach Angaben der Bahn 16 Hauptanzeiger, sechs Voranzeiger und zwei große Fahrgastinformationstafeln montiert. Die neuen Anzeiger seien energiesparend, heißt es. Sie werden gesondert gesteuert und in Zukunft bei Großveranstaltungen eingesetzt.

Die nächste steht nämlich in wenigen Tagen schon wieder an. Während in anderen Städten die Spiele der WM laufen, steht in Berlin Sri Sri Ravi Shankar auf der Bühne. Im Olympiastadion ist am 2. und 3. Juli das „World Culture Festival“ geplant, eine Art Yoga-Veranstaltung. Wird wohl ein eher entspannteres Wochenende.

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