Berlin : Vor dem Kammergericht begann Verfahren gegen mutmaßlichen Spitzel Khorsand

Holger Stark

Der Fall Hofer ist allgegenwärtigHolger Stark

Der Prozess war keine zehn Minuten alt, da tauchte der Name Helmut Hofer das erste Mal auf. "Ich habe meine Forderungen im Zusammenhang mit dem Fall Hofer geschrieben", sagte der mutmaßliche iranische Geheimdienstmitarbeiter Hamid Khorsand erregt vor Gericht. "Es wird hier keine objektive Verteidigung stattfinden, deshalb ist die Verhandlung nicht fair. Erst, wenn die politische Dimension beiseite ist, besteht eine reale Möglichkeit, sich zu verteidigen." Der Name des im Iran inhaftierten deutschen Geschäftsmanns Helmut Hofer wird das Verfahren gegen den der Spionage verdächtigten Exiliraner Hamid Khorsand wohl bis zum Urteil begleiten. Denn in politischen Kreisen wird spekuliert, ob Khorsand möglicherweise Bestandteil eines Handels mit dem Iran in Sachen Hofer sein könnte.

Entsprechende Vermutungen hatte auch eine iranische Zeitung nach der erneuten Inhaftierung Hofer verbreitet - Hofer war rund zwei Wochen nach Khorsand festgenommen worden, zum zweiten Mal, obwohl, wie es heißt, eine Ausreise schon geplant gewesen sei. Auch verschiedene Vertreter von iranischen Oppositionsgruppen äußerten gestern während des Prozesses den Verdacht, Hofer könne gegen Khorsand als Faustpfand verwandt werden. Die erneute Festnahme sei "staatliche Geiselnahme", die der Iran häufiger praktiziere, sagte der eigens aus Köln angereiste Vertreter des Nationalen Widerstandsrats der Exiliraner, Ahmad Mashadi-Rostam.

Der 36-jährige Khorsand war am 14. Juli 1999 in Berlin festgenommen worden, weil er seit Ende 1995 für das iranische Ministerium für Information und Sicherheit gespitzelt haben soll. Khorsand, heißt es in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft, soll zum Schein Mitglied der so genannten Volksmudjaheddin geworden sein, der einflussreichsten Gruppe außerhalb des Irans, die auch den Nationalen Widerstandsrat dominiert. Der Angeklagte habe bis zu seiner Festnahme per Telefon Berichte über die Aktivitäten und Strukturen der Volksmuddjaheddin geliefert und dafür in zwei Zahlungen 12 520 Mark erhalten. Khorsand nahm nach Angaben der Bundesanwälte an diversen Veranstaltungen und Demonstrationen der Mudjaheddin teil und lieferte detaillierte Berichte nach Teheran, etwa über eine Reise nach Italien im März 1999 anlässlich des Besuchs des iranischen Staatspräsidenten.

Der Gelegenheitsarbeiter war mit einer blutenden Wange sowie Verletzungen an den Händen in den Gerichtssaal gebracht worden, nachdem es zu Auseinandersetzungen mit den Wachtmeistern gekommen war. Nach einem abgelehnten Befangenheitsantrag gegen den Richter erklärte Khorsand, er werde keine Angaben machen. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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