Berlin : Vor dem Spätfilm schnell noch zu Aldi

MAREN PETERS

BERLIN .Das verkaufsoffene Wochenende ist in den Arkaden am Potsdamer Platz auf sehr großes Interesse gestoßen."Wir haben verkauft wie an einem Weihnachtssonnabend", sagte Andreas Kube von der Betreibergesellschaft am Sonntag.Wegen eines Jazzfestivals hatte der Senat den rund 120 Händlern in den Arkaden ausnahmsweise erlaubt, am Freitag und Sonnabend bis 22 Uhr und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr zu öffnen.Nach Angaben Kubes nutzten über 400 000 Besucher das Angebot.Andere Berliner Geschäfte, darunter das KaDeWe und die Kaufhof-Filiale am Alex, hatten nur am Sonnabend zwei Stunden länger als gewöhnlich geöffnet.Wegen des Berliner Ärztekongresses hatte der Senat ihnen eine Sondergenehmigung erteilt."Alle Geschäfte sind sehr zufrieden mit dem Wochenend-Ergebnis", sagte der Geschäftsführer des Berliner Einzelhandelsverbandes, Gernot Dazin.



Vor allem Sommerkleidung und Schuhe gingen nach Angaben Kubes in den Potsdamer Arkaden über die Ladentische.Mit einem Anteil von rund 60 Prozent seien ungewöhnlich viele Berliner zum Shopping in die Arkaden gekommmen.Die meisten Besucher kamen nach Auskunft Kubes am Sonnabend Mittag, ein zweiter großer Besucher-Schub noch einmal am Abend zwischen 18 und 22 Uhr.Bei der Aldi-Filiale im Untergeschoß deckten sich zahlreiche Kino-Besucher noch bis zum Kassenschluß mit Getränken und Knabbersachen ein."Endlich können wir mal zusammen einkaufen", sagte sich ein Ehepaar aus Lichterfelde."Ich freue mich, mit viel Zeit bummeln zu könen", ergänzte Berlin-Besucher Carsten Dörnbrack."Wir haben sehr viel mehr verkauft als in der Woche", bestätigten die Filialleiter von Aldi und Kaisers am Sonntag nachmittag.

Hochzufrieden war auch der Geschäftsleiter des Bekleidungsgeschäftes Wöhrl, Stefan Rottler."Am Sonnabend hatten wir 70 Prozent mehr Umsatz als sonst", sagte er.Die Kunden hätten querbeet eingekauft, "von der Krawatte bis zum Hosenanzug".Am Sonntag seien zwar weniger Kunden gekommen, die Frequenz sei aber immer noch "sehr gut" gewesen, sagte Rottler.

"Sehr zufrieden" mit den Umsätzen war auch die Potsdamer-Arkaden-Apotheke, die im Einkaufscenter mit zwei Filialen vertreten ist."Wir haben bestimmt doppelt so viel wie in der Woche verkauft", sagte Apothekerin Lisa Ziebeil.60 Prozent mehr Umsatz als in der Woche vermeldete auch die Geschäftsführerin von Schuh-Neumann, Waltraud Drasdow.Zu ihren Wochenendkunden zählten vor allem Touristen.

Daß die zahlreichen Wochenendbesucher nicht nur schauten, sondern auch kräftig kauften, bestätigte auch Beatrice Basbay, stellvertretende Geschäftsführerin des Modegeschäftes Ulla Popeken.Die Frage, ob die ungewöhnlichen Verkaufszeiten nicht eine unzumutbare Belastung für das Personal darstellten, wies sie zurück: "Hier arbeiten insgesamt sieben Verkäuferinnen mit ein bis drei Kindern im Drei-Schicht-Betrieb", sagt sie."Die freuen sich, daß sie ihre Arbeitszeit flexibler einteilen können."

Wie ihr Geschäftsnachbar, das Tabakgeschäft "Tabac & Cigars", hatte auch das Modegeschäft erst vor wenigen Wochen den Versuch unternommen, die Verkaufszeit auf das Wochenende auszudehnen - allerdings in eigener Regie.Die Aktion war vorzeitig beendet worden.Seit Ostern liegt bei "Tabak & Cigars" eine Liste aus, in der Besucher mit ihrer Unterschrift für eine Abschaffung des Ladenschlußgesetzes votieren können.4000 Kunden haben nach Angaben von Ladeninhaber Eberhard Wolff bereits unterschrieben.Die Liste will er in den nächsten Wochen dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen überreichen.

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