Berlin : Vor dem Start!

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Von David Ensikat

Ich habe einen kleinen Huckel an der Ferse, ein „Überbein“. Klingt furchtbar, ist aber gar nicht schlimm. Es tut nicht weh, es beult nur ein bisschen aus. Für Nichtfachleute ist der Gnubbel beinah unsichtbar, für mich ist er ein Segen.

Er lässt mich Tage wie den heutigen gelassen angehen. Die 42 Kilometer sollen mal schön die anderen rennen, ich hab’ noch nichtmal drei Kilometer geschafft. Pausen gab’s beim Schullauf nicht, dafür einen Sportlehrer, der es wichtig fand, dass Jungens drei Kilometer weit ohne Pause rennen können. Er legte vor dem Lauf seinen muskulösen Arm auf meine Schulter, dass es ein wenig schweißig roch, und raunte: „Mensch David, die anderen geben doch auch nicht auf.“

„Na, ich versuch’s“, sagte ich dann und genoss das väterlich-stolze Klar-Junge-so- muss-man-da-rangehen-Nicken meines männlich-müffelnden Motivators.

Ich rannte mit den anderen zusammen los, und verlor das Läuferfeld langsam aus dem Blick. Ganz einsam war ich dann, und verstand, so allein und so atemlos, überhaupt nicht mehr, was das Ganze sollte. Eine Sportzensur, na gut. Eine Pause war jetzt wichtiger. Ich habe meinen Sportlehrer sehr oft sehr doll enttäuscht.

Bis ein Fußfachmann mein Überbein entdeckte. Wie gesagt: Es hat mir nie Probleme bereitet, und schuld an meiner Atemlosigkeit beim Langlauf war es auch nicht. Trotzdem sprach mir der Fußfachmann eine Langlaufbefreiung aus, und ich musste meinen Sportlehrer nie wieder so sehr enttäuschen.

Liebe Marathonisten, guckt Euch vorm Start doch nochmal eure Füße an. Vielleicht findet ihr da was. Einen Gnubbel an der Ferse kann euch niemand übel nehmen.

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