Berlin : Vor dem Umbau feiert das Naturkundemuseum mit Paten

Christian Böhm

„Ich weiß, dass wir ihn hier haben“, sagt die Mitarbeiterin des Museums für Naturkunde an der Invalidenstraße – auf der Suche nach einem Mammutzahn. Hunderte Knochen und Zähne von Ur-Tieren lagern im Magazin der paläontologischen Sammlung des Museums, aber nur einen ganz bestimmten will die elfjährige Marie-Claire Biedermann finden. Zu Weihnachten hatte sie von ihrer Mutter eine Patenschaft für einen Mammutzahn bekommen. Gestern, beim zweiten Patenschaftstag im Museum, hat sie ihn das erste Mal gesehen. Als sie den restaurierten Zahn in den Händen hält und neugierig bestaunt, fällt ihr auf: „Mist, jetzt habe ich meinen Fotoapparat vergessen.“

Mehr als 2250 Patenschaften sind seit dem Start der Aktion im Februar 2004 abgeschlossen worden, das Museum hat damit mehr als 330000 Euro eingenommen. Mit dem Geld wurden zum Beispiel zwei Sicherheitsvitrinen für die Mineraliensammlung finanziert. Von den 240000 Mineralien ist nur ein kleiner Teil ausgestellt, 14 besonders wertvolle Edelsteine kommen nun hinzu, darunter ein Smaragd, den der russische Zar 1830 dem Entdecker Alexander von Humboldt schenkte. Die neu ausgestellten Steine wurden bislang in einem Tresor im Magazin des Museums aufgehoben.

Aber es gibt auch etwas, was bald aus dem Blickfeld verschwinden wird: An diesem Wochenende besteht für die nächsten zwei Jahre letztmals die Möglichkeit, den Lichthof mit seinen riesigen Sauerierskeletten zu besichtigen. Ab Montag wird der Hof geschlossen, demnächst soll dann eine kanadische Spezialfirma die Skelette auseinander nehmen und im Frühjahr 2007 – nach dem Museumsumbau – wieder zusammensetzen. Zu den Kosten machte Ausstellungsleiter Ferdinand Damaschun keine Angaben. Die Demontage des größten Exponats, eines Brachiosaurus, wird voraussichtlich durch ein fahrbares Gerüst mit zwei Türmen rechts und links des Skeletts erfolgen und sieben Wochen dauern. Ab Juni beginnt der Umbau. Das Haus wird trotz der Bauarbeiten geöffnet bleiben. Und Pate werden kann man ebenfalls weiterhin. Auch wenn man im Museum mit der Resonanz ganz zufrieden ist, wünscht man sich noch viel mehr Engagement. Pate wird man per Internet (www.mein-museum.de) oder im Museum selbst. 20 Euro kostet eine Patenschaft für ein Insektenpräparat, für 5000 Euro wird eine Löffelente im Namen des Paten restauriert.

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