Berlin : Vor den Neuwahlen: Ehemaliger PDS-Stadtrat tritt zur SPD über

babs/gru

Der PDS-Bezirksverordnete und frühere Stadtrat für Kultur und Sport, Dirk Retzlaff, aus Treptow-Köpenick hat seine Partei und Fraktion verlassen. Er will Partei und Fraktion der SPD beitreten, wie der SPD-Kreisgeschäftsführer und Abgeordnete Jürgen Radebold am Dienstag mitteilte. Retzlaff habe seinen Wechsel damit begründet, dass "die PDS-Uhren zumindest im Südosten Berlins um mehrere Jahre zurückgestellt" worden seien. Die PDS-Fraktion forderte Retzlaff zur Niederlegung seines Mandats auf. Er war früher Fraktionschef und PDS-Stadtrat für Kultur und Sport. Retzlaff hat offenbar Chancen, auf der SPD-Liste für die BVV zu kandidieren. Er befürworte das, sagte Radebold. Retzlaff habe in Sportkreisen einen hervorragenden Ruf und nie der SED angehört. Nach Angaben Radebolds will eine weitere PDS-Verordnete zur SPD wechseln.

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Berlin vor der Wahl Seit der Wahl des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) und des rot-grünen Minderheitssenats am 16. Juni seien 21 Sozialdemokraten aus der Partei ausgetreten, die meisten aus den Ost-Bezirken wegen der Zusammenarbeit mit der PDS, sagte die SPD-Parteisprecherin Anja Sprogies am Dienstag. In der selben Zeit seien aber auch mehr als 50 neue Mitglieder der SPD beigetreten. Außerdem hätten mehr als 150 ihr Interesse an einer Mitarbeit in der SPD bekundet, sagte Frau Sprogies. Nach Angaben von Jürgen Radebold waren unter den Austritten sechs aus Treptow-Köpenick.

Bei den Grünen haben gerade einmal drei Mitglieder ihre Parteibücher explizit wegen der Zusammenarbeit mit der PDS zurückgegeben: der Abgeordnete Dietmar Volk, der Bürgerrechtler Konrad Weiß und ein weiteres Mitglied. Im Gegenzug jedoch, berichtet der Schatzmeister der Partei, Werner Hirschmüller, hätten die Grünen im Juni und Juli einen ungewöhnlich starken Mitgliederzuwachs zu verzeichnen. Träten sonst etwa 20 bis 25 Interessenten ein, waren es im Juni 38, im laufenden Monat Juli bereits 40. "Seit klar ist, dass es Neuwahlen geben wird", sagt Hirschmüller, "ist das Interesse deutlich angestiegen". Auch wollten die meisten der Neulinge aktiv in der Partei und ihren Arbeitsgemeinschaften mitarbeiten. Insgesamt haben in diesem Jahr 194 Grüne ihre Partei verlassen, 201 neue Mitglieder sind hinzugekommen. Ob bei den weiteren Aus- oder Eintritten die PDS-Frage eine Rolle gespielt hat, konnte Hirschmüller am Dienstag nicht sagen. Zumindest habe niemand seinen Schritt damit begründet.

Auch die CDU verzeichnet trotz der Bankenkrise eine Stärkung. Im vergangenen Monat haben nach Angaben des zuständigen Abteilungsleiters im Landesverband, Dirk Reitze, etwa 300 Berliner das CDU-Parteibuch erhalten. Exakte Zahlen lagen am Dienstag nicht vor. Insgesamt jedoch wertet Reitze die Zahlen als überdurchschnittlich positiv.

Austritte aus der CDU habe es nur vereinzelte gegeben. Wie etwa der Marzahner Abgeordnete Matthias Andrae, der jetzt als fraktionsloser Abgeordneter für seine neue Partei, die FDP, im Parlament sitzt.

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