Berlin : Vor der großen Operation überwiegt die Hoffnung

Spitzen der Uni-Kliniken bewerten die Reformvorschläge zur Hochschulmedizin im Prinzip positiv. Humboldt-Uni: Zu hohe Sparziele

Bärbel Schubert

Ablehnung und Zustimmung mischen sich in der Reaktion der Universitäten auf die Vorschläge zur Reform der Berliner Hochschulmedizin. Einerseits lehnt besonders die Humboldt-Universität die Sparvorgabe von 98 Millionen Euro als zu hoch ab, weil sie dadurch die Qualität der medizinischen Forschung gefährdet sieht. Wenn aber schon gespart werden muss, sehen sie dafür eine Fusion des Klinikums Benjamin Franklin (UKBF) mit der Charité als beste Lösung an, sagten die Spitzen von Freier und Humboldt-Universität am Dienstag auf getrennten Pressekonferenzen. Zugleich zeichnete sich ab, dass als Folge der Einsparungen an allen drei Klinik-Standorten rund 2500 Stellen bis zum Jahr 2010 abgebaut werden.

Die Humboldt-Universität geht davon aus, dass alle drei bisherigen Standorte erhalten bleiben – also auch das Virchow-Klinikum als Hochschuleinrichtung nicht geschlossen wird. Die Charité in Mitte und das Virchow seien erst ab 1995 zu einer Einheit zusammengeführt worden. „Diese politisch gewollte Fusion darf man jetzt nicht rückgängig machen“, forderte der Dekan der Charité, Joachim Dudenhausen.

Dagegen hatte der Vorsitzende der Expertenkommission, Winfried Benz, bei der Präsentation des Gutachtens am Montag erläutert, dass Berlins Hochschulmedizin langfristig an zwei Standorten konzentriert werden soll – am Klinikum Benjamin Franklin in Dahlem und an der Charité in Mitte. Die Einsparungen von 98 Millionen Euro müssen bis zum Jahr 2010 erfüllt werden – einschließlich des Abbaus von 1300 Betten in der Hochschulmedizin. Zwei Einrichtungen am Rudolf-Virchow haben von der Expertenkommission ausdrücklich gute Noten bekommen und sollen erhalten werden: die klinischen Zentren für Transplantationsmedizin sowie für Mutter und Kind. Doch wo und wie sie erhalten werden sollen, ist offen.

Am Klinikum Benjamin Franklin der Freien Universität rechnete Verwaltungsdirektor Peter Zschernack vor, dass die von den Gutachtern vorgeschlagenen Kürzungen zum Wegfall von rund 2500 Stellen an allen Standorten führen werden – das sind pro Jahr 350 Stellen. Das werde man ohne Entlassungen schaffen. „Allerdings haben wir am Uniklinikum in Steglitz in den vergangenen Jahren schon 600 Stellen abgebaut, daher wird es jetzt schwieriger.“ Der Abbau solle hauptsächlich durch Umsetzungen und Abfindungen realisiert werden – und durch die normale „Fluktuation“. Manche Dienstleistungen, etwa im Putzdienst, würden an andere Anbieter vergeben. Auch über Vorruhestandsregelungen werde nachgedacht, sie seien allerdings recht teuer für die Klinik. Schwierigkeiten erwartet Zschernack im medizinisch-technischen Bereich. Dort arbeiten „viele Frauen mit Familie, die man nicht einfach in Deutschland herumschicken kann“.

Das bisher von Schließung bedrohte Klinikum Benjamin Franklin sieht sich durch die positive Beurteilung im neuen Gutachten jedenfalls in seiner Leistung anerkannt. „Wir machen uns unverzüglich an die Umsetzung der Empfehlungen“, kündigte FU-Präsident Peter Gaehtgens an. „Wenn es so gelingt, die Stärken der Medizinforschung zu erhalten, halten wir das trotz der Einschnitte für die richtige Linie.“ Dieser Eindruck herrsche an der Freien Universität vor.

UKBF-Dekan Martin Paul begrüßte die Arbeit der Arbeit der Kommission: Aus eigener Kraft hätten die Mediziner die neue Struktur nicht schaffen können. Dennoch vermissen auch die Vertreter der Freien Universität noch Klarheit in den Einzelfragen. So habe die Kommission zwar vorgegeben, dass es nur noch eine Gerichtsmedizin in Berlin geben solle, aber weder wo, noch welche. Der neuen Selbstständigkeit blickt man an den Kliniken aber freudig entgegen – trotz der Einsparungen.

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