Berlin : Vor der Zeit

Christian van Lessen

schreibt einen kurzen Nachruf auf Derrick, den Gorilla Wie das? Ein schnöder Herzinfarkt? Ist das nicht viel zu alltäglich für einen, der Derrick heißt? Für einen, der seinem Ruf gerecht werden muss, dass er durchhält und am Ende gewinnt? Nicht umsonst bekam er den Namen. Der strenge Blick über das Revier war ihm eigen. Wie sein Menschen-Kollege aus dem Fernsehen war er wachsam, klärte auf seine Art Streitigkeiten. Die Jüngeren fürchteten ihn. Seine Autorität wussten nicht nur Effi und Mpenzi, die Assistentinnen, zu schätzen. Derrick war ein „Silberrücken“, haben wir gelernt. Er bleckte die Zähne und schaute so durchdringend, dass die Leute, die ihn anstarrten, entzückt „unser Derrick“ riefen. Sein tiefer Blick ließ ahnen, was dabei in ihm vorging.

Er hätte, das wünschten ihm seine Menschenfreunde, mindestens 40 Jahre werden müssen. Derrick geht nicht vor der Zeit, nicht mit 25! Und wenn es sein muss, dann nach schwierigem Einsatz im Gehege, etwa nach Auseinandersetzungen mit nichtsnutzigem Affengelichter. Doch Derrick, der Gorilla, ließ sich brav füttern und sackte dann einfach tot zusammen. So unheroisch, so unspektakulär, so rührend.

0 Kommentare

Neuester Kommentar