Berlin : Vor Gericht: "Ich wollte nur meine Ruhe haben"

Kerstin Gehrke

Die Verlobung war klassisch. Da hatte er Kerstins Eltern eingeladen und mit einem großen Strauss Rosen um ihre Hand angehalten. Dann folgte die Hochzeit, die für Volker U. "traumhaft" war und die ihm das Gefühl gab, "dass wir Erfolg haben würden". Elf Jahre später fand ein Jogger die Leiche der 32-jährigen Kerstin U. in einer Neuköllner Grünanlage. Ihr Ehemann, von dem sie getrennt lebte, soll sie mit ihrem Halstuch erdrosselt haben. Seit gestern steht der 37-Jährige vor dem Berliner Landgericht.

Es geht nicht nur um Mord, sondern auch um versuchten Mord. Zunächst soll Volker U. den Bremsschlauch am Auto seiner Ehefrau zerschnitten haben. Laut Anklage konnte die Krankenschwester ihren Fiat mit der Motorbremse jedoch noch rechtzeitig zum Stehen bringen. Einen Tag später, am Morgen des 5. November 2000, kam es zur tödlichen Begegnung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass U. seine Frau zur Arbeit fahren wollte und sie ihm im Auto vorwarf, er habe sie umbringen wollen. Um zu verhindern, dass sie ihn wegen der Bremsen anzeigen könnte, soll er sie ermordet haben.

Volker U. ist ein schlanker Mann mit spitzem Gesicht. Einer, der sich als gewaltfrei beschreibt, dem das "gesprochene Wort" wichtig ist, der Erfolg und Harmonie sucht. "Die Zeit, die Kerstin und ich miteinander hatten, war sehr schön", sagte der Angeklagte. Lange sprach er über die Firma, die er und seine Frau aufgebaut hatten. Und von dem Leid, dass Kerstin und er Anfang der neunziger Jahre zusammen durchstanden. Ihr Sohn war kurz nach der Geburt gestorben. "Wir haben uns gesagt, dass wir nicht aufgeben werden." 1993 kam ihre gesunde Tochter zur Welt, doch dann ging es mit der Werkstatt bergab. Seiner Frau erzählte er viel zu spät von der drohenden Pleite. "Sie konnte mir nicht mehr vertrauen, das war der Knick in unserer Beziehung." Trotz der Trennung 1996 und seiner neuen Freundin sei ihr Verhältnis aber freundschaftlich geblieben.

"Ich habe nicht an den Bremsen gebastelt", sagte der Angeklagte. Kerstin habe einen Unfall gehabt. Einer seiner Bekannten habe das Auto repariert. Am Tattag sei er von seiner Frau angerufen worden, weil etwas mit dem Wagen nicht stimme. Er sei zu ihr gefahren. In seinem Auto habe sie ihn beschimpft wie nie zuvor, als "Niete" und "Versager". Er hielt, brüllte "Raus". Er zog sie aus dem Auto. Sie sei wütend gewesen, sagte der Angeklagte. Da habe er zugeschlagen - drei- oder viermal mit der Faust.

"Sie schrie weiter, da habe ich sie am Kragen gepackt und wie ein Kleinkind geschüttelt." Als sie still war, sei er gegangen. Er habe geglaubt, seine Frau lediglich verletzt zu haben. "Ich wollte sie nicht töten, ich wollte nur meine Ruhe haben", sagte Volker U. weinend, und bestritt den Vorwurf, sie ermordet zu haben.

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