Vor Spiel gegen Schweden : Nachbar Nationalmannschaft: Löws Team im Grunewald

Sie gehen shoppen, zu Alba und auch zu Jennifer Lopez: Deutschlands Fußballer sind zurück in der Stadt. Für die Anwohner des Hotels in Grunewald ist das Routine. Die Nationalspieler wohnten hier schon zur WM 2006.

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Mal rausschauen. Teammanager Oliver Bierhoff kam kurz bei den Fans vorbei.
Mal rausschauen. Teammanager Oliver Bierhoff kam kurz bei den Fans vorbei.Foto: Paul Zinken

Murat hat seine neuen Nachbarn schnell entdeckt. Philipp Lahm, Mesut Özil und Thomas Müller, zählt der Elfjährige stolz an seinen Fingern ab. Am Wochenende saßen sie da im grellen Scheinwerferlicht, im Garten des Schlosshotels, mitten im Grunewald. Für Murat gleich nebenan. Durch ein Loch in der dichten Hecke hat der schwarzhaarige Junge die drei Fußballer der Nationalmannschaft erspäht. Für einen Fernsehsender posierten sie vor den Kameras. „Das sah aus wie bei einem Casting“, sagt Murat. Mehr könne er leider nicht berichten, die anderen Stars habe er noch nicht im Garten gesehen. „Die waren immer drinnen.“

Die DFB-Elf ist wieder in Berlin. Am frühen Samstagabend haben die Fußballer um Bundestrainer Joachim Löw vor dem Spiel am Dienstag gegen Schweden (20.45 Uhr, ARD) das Schlosshotel in der Brahmsstraße bezogen. Es ist ihr altes Berliner Mannschaftsquartier. Schon im Sommer 2006 übernachteten die Stars in der Nobelherberge in der schmalen Seitenstraße zwischen den vielen prunkvollen Villen. Damals herrschte dort wochenlang Ausnahmezustand. Hunderte Fans warteten vor dem verschnörkelten Hotelgatter, um einen Blick auf die Profis zu werfen. Ordner patrouillierten um das Gelände, die Polizei sperrte die Straße ab und die Hotelleitung befestigte einen Sichtschutz aus Bambusstöcken am Zaun.

Sechs Jahre später ist vom damaligen WM-Trubel wenig geblieben. Ruhig ist es an diesem Montagvormittag in der Brahmsstraße. Nur ab und zu hallen ein paar „Hier, hier“-Rufe über die gepflegten Gärten hinweg, wenn einzelne Spieler wie Manuel Neuer oder Miroslav Klose aus der Hotellobby hin zu einem schwarzen Van huschen, um anschließend wortlos an den rufenden Fans vorbei in Richtung Innenstadt gefahren zu werden. Autogramme gibt es nur selten. Knapp ein Dutzend Fußballverrückte, Spaziergänger, Touristen oder Anwohner haben sich vor dem Hoteltor versammelt, sie tauschen Informationen aus, wer zuletzt zu sehen war oder hüpfen auf den Zehenspitzen, um sich warm zu halten.

Oliver Noack ist einer von ihnen – einer der Fußballverrückten, die immer bereit für ein Autogramm sind. Über seinen rechten Arm hat der gelockte Thüringer ein nagelneues Nationalmannschaftstrikot geworfen, in der linken Hand hält er einen vollständig gefüllten Band mit Fußballsammelkarten und am Körper trägt er ein zweites Trikot, die Rückenseite auf der Brust: „Wenn man so was öfter macht, hat man das durchdacht“, erklärt Noack. Auf der Brust könnten die Spieler besser unterschreiben. Mit einem speziellen Spray halte die Unterschrift auf dem Stoff dann auch in der Waschmaschine. Der 35-Jährige hat acht Trikots dabei. Schon seit Samstagabend lauert er vor dem Hotel, auch wenn die Stars gar nicht da sind.

Bundestrainer Löw hatte seinen Spielern am Samstag- und am Sonntagabend freigegeben. So wurden Mesut Özil, Sami Khedira und Jerome Boateng zum Beispiel auf dem Konzert von Jennifer Lopez in der O2-World gesichtet. Verteidiger Per Mertesacker und Benedikt Höwedes besuchten ein Spiel der Basketballer von Alba-Berlin. Die Bayern-Stars Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer und Holger Badstuber wurden beim Bummel durch die Innenstadt beobachtet. Am Abend kehrten die Spieler gegen 23 Uhr in das luxuriöse Fünf-Sterne-Palais zurück, dem im Inneren einst der Designer Karl Lagerfeld einen barocken, großfürstlichen Stempel aufgedrückt hat.

Paketlieferant David kann der Rummel vor dem Schlosshotel nicht schocken. „Das ist nichts Besonderes“, sagt er im Vorbeigehen. Nur seinen Lieferwagen musste der Bote heute ein paar Schritte entfernt abstellen. Der Bus der Nationalmannschaft versperrt mehrere Parkplätze in der Brahmsstraße. Das alles sei kein Vergleich zum Sommer 2006.

Auch Dirk Siebert hat vor dem Hotel schon längere Warteschlangen gesehen. Viele Promis übernachteten dort. „Vor kurzem war Scooter hier“, sagt Siebert. Der Elektro-Musiker habe mehr Fans angelockt. Der Gartenarchitekt ist beruflich im Grunewald unterwegs, besucht hier seine Kunden. Nicht allen gefiele der Rummel, sagt er.

Trotzdem sieht Ruby Ma den erneuten Besuch der Fußballer gelassen. Die Asiatin wohnt am Schlosshotel. Vor sechs Jahren wurde sie, wie alle anderen Anwohner, als Entschädigung vom Fußballbund zum Barbecue eingeladen. Oliver Bierhoff hat Autogramme gegeben, erinnert sie sich. „Damals war einfach mehr los.“ Ein zweites Barbecue gab es jetzt nicht.

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