Berlin : „Vor Windstärke 12 hat uns niemand gewarnt“

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Wie lange hielten Sie sich am Mittwoch auf dem Zeltplatz auf?

Ich war zwei Mal auf dem Zeltplatz: Einmal ab 14.30 Uhr zum Besuch der amerikanischen Kinder und Jugendlichen bis zum Ende der Veranstaltung gegen 20 Uhr. Ich war in offizieller Mission da und hatte meine Tochter dabei. Dann war ich von 21 Uhr bis gegen 0.30 Uhr als Einsatzleiter auf dem Zeltplatz. Es war für mich schockierend, den Nachmittag dort verbracht zu haben, dann komme ich zurück, und plötzlich ist die Welt auf den Kopf gestellt.

Machen Sie sich Vorwürfe, dass Sie nicht angeordnet haben, den Zeltplatz zu räumen?

Eine vollständige Räumung wäre weder möglich noch sinnvoll gewesen. Es stürzten auf der gesamten Insel und im Stadtgebiet Bäume um. Die Sicherheit war in vielen Teilen der Stadt gefährdet. Wesentlich ist ja auch, dass ein solcher Orkan weder vorhergesagt wurde noch vorhersagbar war.

Sie hatten vom Wetterdienst Hinweise auf Windstärke 10. Was hätten Sie bei einer Warnung vor Windstärke 12 unternommen?

Dann hätte ich mich mit dem Lagedienst beraten, hätte unseren Bus angefordert und die Räumung des Lagers angeordnet. Uns hat aber keiner vor einem Orkan mit Windstärke 12 gewarnt.

Sie haben sich mehrfach nach den Wetterverhältnissen erkundigt?

Als gegen 19.30 Uhr das Wetter noch immer gut war, rief ich meinen Vize Herrn Gräfling an und bat, er möge im Internet nachsehen, ob ein Unwetter kommt. Er sagte, ein Unwetter liegt bei Potsdam, richtet euch darauf ein, dass es auch nach Berlin kommt.

Was haben Sie daraufhin angeordnet?

Ich sagte, man solle die Zelte sichern, aufräumen und sich dann in den höher gelegenen Teil des Lagers zurückziehen. Ich war sicher: Die großen Bäume stehen schon über 100 Jahre, die bleiben stehen.

Werden solche Zeltlager wieder stattfinden?

Ja – es kann nicht im Sinne der Toten sein, solche Zeltlager nicht mehr zu machen. Vergangenes Jahr hatten wir ein Lager mit 1000 Teilnehmern in Ruhleben bei der Polizei.

Das Gespräch führte Werner Schmidt

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