Berlin : Vorab-Skandal

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber

über eine noch unsichtbare Ausstellung

Gut gedacht, schlecht gemacht: So kann man erklären, wie eine noch gar nicht konzipierte Ausstellung über die Terroristen der Roten Armee Fraktion Empörung hervorruft. Da kündigen die „Kunst Werke“, ein Haus, das ambitionierte und streitbare Ausstellungen organisiert, eine Schau zur „RAF“ an. Sie bekommen dafür Geld vom Hauptstadtkulturfonds, ohne dass ein unmissverständliches Konzept für die RAFAusstellung vorlag. Und so kommt es zum großen Missverständnis: Gerade diejenigen, die im Umgang mit der RAF in den vergangenen Jahren kaum zu hören waren, die Angehörigen der Ermordeten, fürchten das Schlimmste: dass sich ein geradezu kindisch-naiver Stil im Umgang mit den Thema Terrorismus durchsetzt.

Baader, Meinhof, Ensslin wurden zu Popfiguren, zu Gestalten in einer kontrastlosen Welt, in der Hipness und gutes Aussehen alles sind. Wer zum Beispiel von zeithistorischen Filmen etwas mehr Inhalt verlangte, der nahm wahr, dass auch Baader Meinhof Ensslin so etwas wie einen Restidealismus in sich hatten.

Gerade dem, so sagen nun die Ausstellungsorganisatoren von den Kunstwerken, wolle man entgegenwirken. Es spricht für den Ansatz der Kunstwerker, dass sie zum Beispiel mit dem Historiker Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Sozialforschung einen Planer haben, der die RAF nicht schöngeredet und weich gezeichnet hat, ohne der linken Szene fremd zu sein. Wenn außerdem die Bundeszentrale für politische Bildung sich die Frage vornimmt, woher denn die gerade in Berlin so deutlich zu spürende Bereitschaft kam, sich die Täter gut und die Opfer wegzudenken, könnte die wirr angekündigte Schau etwas bewirken, was im Umgang mit der RAF noch fehlt: klare Sicht. (Seite 10)

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