Berlin : Vorbild Argentinien

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Von Andreas Conrad

Der Haushalt eines argentinischen Gauchos kann als ausgeglichen gelten, wenn in der linken Satteltasche ein luftgetrocknetes, weich gerittenes T-Bone-Steak, in der rechten eine Packung frischen Mate-Tees steckt. Ob dies dem Lande Evitas fiskalisch je geholfen hat, bleibe dahingestellt. Verbürgt ist aber, dass auch Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin, darin dem südamerikanischen Kuhhirten verwandt, ausgeprägte Vorliebe für Tee zeigt. Das wirft auf seine gestrige Bewertung des von ihm betreuten Landeshaushalts ein ganz neues Licht: „Was wir als Haushalt kennen, ist von jeder deutschen, ja auch argentinischen Realität weit entfernt. Der argentinische Haushalt ist in seinen Eckwerten wenigstens durchfinanziert.“ Hatte nicht die argentinische Regierung, als ihr das Wasser bis zum Halse stand, in ihrer Not den Peso Peso sein lassen und parallel den Argentino unters Volk zu streuen versucht? Und ist nicht hierzulande der Euro weiterhin ungeliebt, was jeden um frisches Geld verlegenen Finanzpolitiker zu verwegenen Gedankengängen verführen muss? So kurz vor der Wahl ist ihm natürlich kein klares Wort zu entlocken, aber indirekt, auf dem Umweg über Argentinien, hat Sarrazin seine Pläne zur Haushaltskonsolidierung entlarvt: Weg mit dem Teuro, es lebe der Berlino!

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