Berlin : Vorfahrt für die VIPs – Staus für die Berliner

Pro & Contra: Soll Berlin zur Fußball-WM 2006 eigene Fahrspuren für Sportler und Sponsoren einrichten?

André Görke

Das Innenstadtszenario könnte während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 so aussehen: Der Fan kämpft sich durch den Stau, während auf einer Extraspur die Limousinen der Funktionäre und Fußballer vorbeiziehen. Endstation Olympiastadion.

In dieser Woche erfuhr der Tagesspiegel, dass der Senat eine „WM-Spur“ einführen will, auf der VIPs und Sponsoren am Berufsverkehr vorbeigeleitet werden. Die Strecke führt vom Brandenburger Tor bis zum Olympiastadion; das ist die Route der „Fifa-Magistrale“. Der Fußball-Weltverband hat sich im „Hotel Adlon“ einquartiert, nahe dem Regierungsviertel. Ist diese Maßnahme wirklich notwendig?

Eine Extra-Spur ist zumindest nicht unüblich. In den Leipziger Bewerbungsunterlagen für die Olympischen Spiele 2012 sind „olympic roads“ vorgesehen, „Olympische Straßen“. Leipzig will 84 Kilometer für den normalen Verkehr sperren oder zumindest eine Fahrspur für die Funktionäre und Sportler reservieren. Bei den Olympischen Spielen in Athen gibt es ähnliche Pläne.

In Berlin werden während der WM 2006 sechs Spiele stattfinden, darunter das Finale. Die Anstoßzeiten lauten 15 Uhr, 18 Uhr und 21 Uhr. Die ersten beiden Termine fallen in die Zeit des Berufsverkehrs. Da neben den Fifa-Funktionären auch Politiker und wichtige Sponsoren zu den Spielen fahren, soll ihnen die Anreise erleichtert werden. Die Fahrzeuge könnten auch mit Polizei-Eskorten durch die Stadt begleitet werden.

Die Route der „WM-Spur“ führt über die Ost-West-Achse und über Heer- oder Reichsstraße zum Stadion. Die Autos, die am Stau vorbeifahren, werden deutlich zu erkennen sein. Seien es die Limousinen der Politiker – oder die Flotte des WM-Sponsors Hyundai. „Eine hohe Anzahl unserer Autos wird in Berlin stehen“, heißt es dort. 600 Wagen wird das Unternehmen den Funktionären während der WM zur Verfügung stellen.

In den Bewerbungsunterlagen ist eine „WM-Spur“ keine Pflicht. In München etwa, dem Austragungsort des Eröffnungsspiels, habe man von den Berliner Plänen „gehört, sie aber noch nicht geprüft“. Bundesweit werden 3,5 Millionen Menschen zur WM erwartet, eine Million davon aus dem Ausland.

In den Unterlagen des „WM-Pflichtenheftes“ steht, dass die Hälfte der Stadionbesucher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen soll. „Das ist kein Problem für uns“, sagt Detlef Untermann, Sprecher der BVG. Wenn Hertha BSC im Olympiastadion spielt, nutzen 64 Prozent der Fans Busse und Bahnen. Dennoch bilden sich Staus – obwohl Hertha am Wochenende spielt und nicht zu Zeiten des Berufsverkehrs.

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