Vorladen statt einladen : Möbeltaxen-Krieg bei Ikea

Auf den Parkplätzen vor den Ikea-Filialen warten Möbel-Taxis für die Hilfe beim Transport. Doch das Einrichtungshaus geht gegen die freien Unternehmer vor – mit heftigen Methoden, wie Betroffene berichten.

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Lädst Du noch oder klagst Du schon?
Lädst Du noch oder klagst Du schon?Foto: reuters

Der Möbeltaxen-Krieg bei Ikea hat sich zugespitzt: Seit langem schwelt ein Streit zwischen dem schwedischen Möbelriesen und den Transporttaxis. Doch jetzt will das Unternehmen alle unabhängigen Lieferanten vertreiben und sprach ein Hausverbot aus. „Der Ärger dauert seit Jahren, aber jetzt wird es zu viel“ , sagt Frank Steinert, Chef des Unternehmens „Steinert Möbel- und Transporttaxi“.

Seit fünf Jahren fährt der 48-Jährige für Ikea-Kunden die Möbel nach Hause, als einer von vielen Anbietern. „Wir können nicht nur schneller reagieren, sondern sind um die Hälfte günstiger als der hauseigene Ikea-Transport. Ohne uns würden die gar nicht alle Aufträge schaffen“, sagt Steinert. Er selbst werde das Ikea-Hausverbot nicht akzeptieren: „Ich werde weiter mit meinem Wagen auf den Parkplatz fahren, um meine Kunden abzuholen.“

Inzwischen ist der Konflikt auch auf den Parkplätzen eskaliert. Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens liefen dort Streife und notierten die Nummerschilder der illegalen Transporter, um ihnen mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs zu drohen. Das berichtet ein anderer Möbeltaxi-Betreiber. „Wir dürfen noch nicht mal mehr zum Beladen auf den Parkplatz fahren“, sagt Claus Seidel, Inhaber von „Möbeltaxi Berlin“. Er selbst habe bereits eine Anzeige erhalten, die Hälfte seines Umsatzes sei schon weggebrochen. „Das sind nichts weiter als reine Drohszenarien“, sagt Rechtsanwalt Heiner Wiewer, der mehrere Möbeltaxi-Unternehmer juristisch betreut. Ein Hausfriedensbruch könne gar nicht vorliegen, da hier die Straßenverkehrsordnung für jedermann gelte und das dem Privatkunden- und Verbraucherinteresse dienende Halten zum Be- und Entladen unbeschränkt erlaubt sei. Zudem seien die Parkflächen schrankenlos ohne Weiteres der Allgemeinheit zugänglich und die Kunden wünschten den Transport selbst. Es sei nun mal freier Wettbewerb, dass sich der Verbraucher den wirtschaftlich günstigsten Anbieter aussuchen könne.

Allerdings darf die Konkurrenz der Transporteure nicht so groß werden, dass sich Kunden belästigt fühlen. In der Vergangenheit warben Fahrer massiv um Kunden und fingen sie bereits vor den Ausgängen ab. Anwalt Wiewer rechnet damit, dass Ikea an einer friedlichen Lösung interessiert sei und wieder auf die Transportunternehmen zugehe.

Diese Hoffnung könnte sich bewahrheiten. „Wir möchten eine gute Lösung für unsere Kunden finden und möchten, dass mit unseren Service-Partnern gearbeitet wird“, sagt die Lichtenberger Ikea-Chefin Jutta Iskalla. Sie geht allerdings von einem Vorrecht für den Ikea-eigenen Service aus; dort sei auch die Bezahlung von Transportschäden geregelt. Probleme mit externen Unternehmen würden beim Möbelhaus reklamiert, obwohl es nicht verantwortlich sei. Das Argument hält Wiewer für wenig schlagkräftig. „Meine Mandanten haben eine Betriebsversicherung, die im Falle eines Schadens greift.“ Der Ärger auf dem Parkplatz geht erst mal weiter.

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