• Vorläufig nicht im Dienst: Drohanruf: Verdächtigter Polizist will keine Stimmprobe abgeben

Berlin : Vorläufig nicht im Dienst: Drohanruf: Verdächtigter Polizist will keine Stimmprobe abgeben

Frank Jansen

Es wird eng für den Beamten der Berliner Polizei, der nach dem Bombenanschlag von Düsseldorf telefonisch mit "rechtem Terror" gedroht haben soll. Laut Staatsanwaltschaft Potsdam weigert sich der Mann, eine Stimmprobe abzugeben. Einen Grund für sein Verhalten nennt er offenbar nicht. Damit wird der Verdacht stärker, der Beamte habe tatsächlich am vergangenen Donnerstagabend beim Potsdamer Präsidium angerufen und gedroht, es werde Tote geben "wie im September 1980". Damals hatte ein Neonazi auf dem Oktoberfest in München eine Splitterbombe gezündet. Bei dem Anschlag wurden 13 Menschen zerfetzt, 219 erlitten Verletzungen.

Der Polizist kann nicht gezwungen werden, eine Stimmprobe abzugeben. "Dies ist faktisch unmöglich", sagte Sigrid Komor, Sprecherin der Potsdamer Staatsanwaltschaft. Anders als bei einer Blutprobe oder der Entnahme von Fingerabdrücken könne sich ein Tatverdächtiger jedes Mal so verstellen, dass eine erzwungene Stimmprobe wenig sinnvoll sei.

Ein Unbekannter habe seinen Telefonanschluss manipuliert, sagt der Polizist. Die Drohung war fünf- bis sechsfach verlangsamt bei der Leitstelle des Potsdamer Präsidiums eingegangen. Mit Hilfe des ORB konnte die Polizei den Anruf entzerren. Zur Zeit überprüft das Landeskriminalamt, ob die aufgezeichnete Stimme identisch ist mit derjenigen, die sich auf beschlagnahmten Kassetten des Polizisten fand. Ein Ergebnis der Tests des LKA ist laut Staatsanwaltschaft im Laufe der Woche zu erwarten.

Dass die Originalkassette, von der die Drohung abgespielt wurde, vermutlich nicht mehr zu finden ist, hat das Potsdamer Präsidium offenbar selbst zu verantworten. Bei der ersten Durchsuchung, noch am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht, hätte die Polizei den Überraschungseffekt ausnutzen können, wenn sie mit der nötigen Gründlichkeit vorgegangen wäre. Doch die Schutzpolizei begab sich ohne den für politische Delikte zuständigen Staatsschutz zum Haus des Beamten und übersah Beweisstücke, die für die Aufklärung des Falls von Bedeutung sein könnten. Erst bei der zweiten Durchsuchung mehrere Stunden später, diesmal unter Beteiligung der Staatschutz-Experten, wurde das Diktiergerät entdeckt, von dem der Anruf vielleicht abgespielt worden ist. Sollte der verdächtigte Beamte die Drohung übermittelt haben, hätte er indes bis zur zweiten Durchsuchung genügend Zeit gehabt, eine ihn belastende Kassette verschwinden zu lassen.

Das Potsdamer Präsidium hat inzwischen zugegeben, dass die Ermittlungen nicht optimal gelaufen sind. Außerdem räumte die Staatsanwaltschaft ein, es sei bei dem Polizisten ein "Tonträger" mit rechtsextremer Musik gefunden worden. Dabei handelt es sich um eine Musikkassette der Band "Böhse Onkelz", die jahrelang als Kultgruppe der rechten Szene galt. Mindestens ein Lied auf der Kassette wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert.

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