Berlin : Vorm Antritt verhandeln

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Von Jörg Weber

Die dickste Klippe ist für Arbeitsuchende umschifft, wenn das Vorstellungsgespräch gut gelaufen ist. Doch auch dann wähnt sich der Bewerber manchmal zu schnell im sicheren Hafen – und vergisst, dass er einen Teil seines Fangs verschenkt, wenn er nicht konsequent die Details des Arbeitsvertrags aushandelt. Zumindest für Akademiker sind Arbeitsverträge nicht Ware von der Stange, sondern individuell zuzuschneidern.

Grundsätzlich gilt dabei: Der Arbeitsvertrag und Teile davon können auch mündlich geschlossen werden. Dann sind allerdings Beweisschwierigkeiten möglich. Deshalb ist es ratsam, auf einer schriftlichen Vereinbarung auch für Details zu bestehen. Wer sich beispielsweise nur mündlich und unter vier Augen auf 30 Tage Urlaub geeinigt hat, der hat im Streitfall wenig Chancen. Im Zweifel gilt dann nur der gesetzlich vorgeschriebene Mindesturlaub von 24 Tagen.

Weder von zwingenden Gesetzen wie beispielsweise Arbeitsschutzbestimmungen noch von Tarifverträgen darf zuungunsten des Arbeitnehmers abgewichen werden. Verbesserungen sind jedoch erlaubt, wenn auch meist nicht einfach durchzusetzen. Wer etwa ein höheres Gehalt als den Tariflohn verlangt, dem wird häufig entgegengehalten, das sei unmöglich – aus Rücksicht auf die anderen, das Betriebsklima oder das allgemeine Verdienstniveau in der Abteilung. Ein möglicher Ausweg: Eine Gehaltserhöhung nach Ablauf der Probezeit vereinbaren.

Doch auch die Probezeit ist ein Problem. „Gesetzlich ist sie nicht geregelt, man kann lediglich einen Rückschluss aus dem Kündigungsschutzgesetz ziehen. Nur wer länger als sechs Monate gearbeitet hat, kann sich auf dieses Gesetz berufen“, sagt Michael Schoden, Referatsleiter Arbeitsrecht beim Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Düsseldorf. Der Grundsatz lautet: Wenn der Arbeitgeber nach sieben Monaten unter Berufung auf die Anstellung zur Probe kündigt, ist das anfechtbar. Der Arbeitgeber darf aber innerhalb der ersten sechs Monate eine Verlängerung der Probezeit um weitere sechs Monate verlangen.

Nach dem Kündigungsfristengesetz sind in der Probezeit zwei Wochen als Kündigungsfrist ausreichend. Auch zur Mitte des Monats kann ein Neuling daher entlassen werden. In der Praxis wird die Probezeit teilweise auch vereinbart, indem ein befristetes Arbeitsverhältnis geschlossen wird. Die Formulierung im Arbeitsvertrag lautet beispielsweise: „ . . . das Arbeitsverhältnis endet nach drei Monaten (oder: nach Ablauf der Probezeit), wenn es nicht vorher verlängert wird.“

Besonderen Wert sollten Arbeitnehmer auf die Beschreibung des Arbeitsplatzes und der Aufgabe legen. „Dauer, Ort und Art der Tätigkeit sollten im Arbeitsvertrag so präzise wie möglich beschrieben sein“, erklärt Jurist Schoden. Das verlange schon Paragraf 2 Ziffer 5 des Nachweisgesetzes.

Selbst eine kurze Bezeichnung könne für Klarheit sorgen. Wer zum Beispiel als „Produktdesigner“ eingestellt sei, der müsse nicht verkaufen. Doch Schoden räumt ein: „Das ist rechtlich so. Ob es sinnvoll ist, das praktisch auch durchzusetzen, muss jeder selbst beurteilen.“ Gut für den Arbeitnehmer ist es, wenn die Position in der Hierarchie beschrieben ist. Ein „Assistent der Geschäftsleitung“ etwa assistiert der Top-Ebene der Firma – nicht einem Abteilungsleiter.

Verhandlungsspielraum bieten die zusätzlichen Leistungen des Arbeitgebers. Die betriebliche Altersversorgung etwa ist oft individuell geregelt. Je weiter die Versorgungsansprüche gehen, desto länger muss man in der Regel zum Betrieb gehören. Bei einem Wechsel des Arbeitgebers können diese Ansprüche ersatzlos verfallen. Daher empfiehlt es sich, Zuschüsse zur eigenen Altersversorgung zahlen zu lassen, etwa zu einer Lebensversicherung. Denn diese Leistungen bleiben auch nach einem Wechsel bestehen.

Aufmerksamkeit sollte vor Abschluss des Arbeitsvertrags auch der Arbeitszeit gewidmet werden. Meist ist sie im Tarifvertrag festgelegt. Wer keine Zusatzschichten schieben will, muss deutlich machen, dass er nur einspringen möchte, wenn wirklich Not am Mann ist.

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