Berlin : Vorn einsteigen, später ankommen

Die neue Regelung bei den Bussen der BVG bringt den Fahrplan durcheinander. Denn oft stauen sich die Fahrgäste an der vorderen Tür

Klaus Kurpjuweit

Viele Fahrgäste mussten gestern länger als sonst auf ihren Bus warten, doch für die BVG verlief der erste Tag mit der neuen Einstiegsregelung „reibungslos“. Seit gestern darf man nur noch vorne beim Fahrer einsteigen, der dann auch die Tickets kontrollieren oder Fahrscheine verkaufen soll. Und dabei gab es zumindest am Premierentag häufig einen Stau, was die Wartezeiten an den Haltestellen verlängerte und dann den Fahrplan durcheinander brachte. Für die BVG waren dies jedoch „Einzelfälle“. Und auch dies dürfte in wenigen Tagen kein Problem mehr sein, ist BVG-Sprecher Klaus Wazlak überzeugt.

Ein Fahrer auf der Linie 249, die vom Roseneck in Grunewald zum Zoologischen Garten führt, bestätigte, dass seine Verspätung von sieben Minuten auf die neue Regelung zurückzuführen sei. Viele Fahrgäste kramten erst nach ihrem Fahrschein in der Tasche, als sie vor dem Fahrer standen, oder suchten mühselig nach Kleingeld beim Barkauf. Wer wie vorher einfach beim Fahrer vorbeigehen wollte, wurde meist aufgefordert, den Fahrschein zu zeigen, was die meisten dann auch prompt machten. Manche Fahrer reagierten allerdings überhaupt nicht, wenn jemand ohne den Fahrschein vorzuzeigen an ihnen vorbeilief.

Grundsätzlich sollen sie die Fahrscheine kontrollieren. Dafür haben die Fahrer eine kurze Einweisung erhalten. Die BVG will schließlich mit der neuen Regelung erreichen, dass die Zahl der Schwarzfahrer in den Bussen zurückgeht, damit die Einnahmen steigen. Fast alle Fahrgäste standen gestern geduldig vor der Vordertür, wenn sich dort ein Stau gebildet hatte, weil der Fahrer einen Fahrschein verkaufte.

Nach Beobachtungen des Fahrgastverbandes IGEB verlängerten sich die Aufenthaltszeiten an Haltestellen mit vielen Fahrgästen um bis zu 30 Sekunden. Dadurch könnten vor allem auf längeren Strecken erhebliche Verspätungen entstehen. Eine Stichprobe des Tagesspiegels ergab, dass gestern die meisten der beobachteten Busse verspätet zu den Haltestellen kamen.

Mit der Information zu den neuen Einstiegsregeln hat es die BVG nur bei ihren Deutsch verstehenden Fahrgästen sehr gut gemeint. Gleich drei verschiedene Aufkleber sind auf den Bussen angebracht, die alle den mehr oder weniger gleichen Hinweis auf Deutsch enthalten – keiner davon informiert auf Englisch.

Und während bei vielen europäischen Verkehrsunternehmen mit einer ähnlichen Einstiegsregelung wie bei der BVG über den Türen der Busse der Hinweis auf den Ein- und Ausstieg in der Landessprache und oft zusätzlich auf Englisch steht, gibt es auch hier bei der BVG gar keine Hinweise.

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