Berlin : Vorrang für die Bildung

Sanierte Gebäude, frisches Essen, mehr Lehrer – so stellen sich Eltern die Schule ihrer Kinder vor

Anja Brandt

Berliner Eltern wünschen sich viel für die Bildung ihrer Kinder: mehr Lehrer, die Modernisierung der Schulgebäude, eine bessere Ausstattung und frisches Schulessen etwa. Vier Wochen lang konnten sie ihre Vorstellungen online diskutieren: In einem Forum, das vom Berliner Familienbeirat ins Leben gerufen wurde. Die Anregungen der Eltern werden in den Familienbericht einfließen, der im Herbst dem Senat übergeben werden soll.

Fast 700 Beiträge verfassten Berliner Eltern und zeigten, dass sie eine klare Meinung dazu haben, was ihnen in ihrer Stadt nicht gefällt – und was sich deshalb ändern soll. Viele Beiträge beschäftigten sich mit der Bildung der Kinder. Kontrovers wird etwa die Schulreform debattiert. Während eine Forums-Teilnehmerin für die Reform mit gesundem Schulessen, abwechslungsreichem Sportangebot und einer Hausaufgabenbetreuung plädiert, zweifelt ein anderer die Finanzierung an. „Berlin hat jahrelang über seine Verhältnisse gelebt – woher soll da das Geld für Schulessen kommen?“ Andere Eltern wollen, dass die Betreuungslücke in der 5. und 6. Klasse geschlossen werde, dass es kleinere Klassen und mehr Betreuung auch für Kinder ohne Behindertenstatus gebe.

Auf die Frage, wie der Senat den Verfall der Schulen aufhalten und auf einen neuen Stand bringen wolle, meldet sich Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) im Forum zu Wort: „Nimmt man alle zur Verfügung stehenden Mittel zusammen – Baumittel der Bezirke, jährliche Sanierungsmittel des Senats, Sonderprogramm für die Schulen des Senats von 2009, Konjunkturprogramm von Bund und Ländern – werden bis 2011 weit mehr als eine halbe Milliarde Euro in die Berliner Schulen investiert.“ Jedes Problem werde damit nicht beseitigt sein, so Zöllner. Aber ein Qualitätssprung sei gemacht. Eine Mutter wünscht sich kulturanthropologische Berater und fragt, ob Berlins Schulen auf die multikulturelle Situation angepasst seien. Zöllner sagt, es sei sein „persönliches Anliegen“, dass mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund eingestellt würden.

Viele Eltern haben im Online-Dialog Partei für das finnische Schulmodell ergriffen. Im PISA-Spitzenreiterland gehen Kinder neun Jahre auf eine Gemeinschaftsschule, an allen Schulen sind dieselben Unterrichtsinhalte Pflicht. Eine Teilnehmerin dazu: „Eine gute Schule kann entstehen, wenn Lehrer, Eltern und Kinder die Entwicklung ihrer Schule selbst in die Hand nehmen.“

Normal große Klassen mit zusätzlichem Personal sowie Transparenz und Experten, die in die Schulen kommen – das sind ihre Vorschläge. „Zusätzlich sollten mehr Sozialpädagogen und Schulpsychologen eingestellt werden“, schreibt eine andere Mutter. Ein weiterer Appell der Eltern: „Die Ausstattung der Schulen sollte modernisiert werden.“ Trotz des Konjunkturpakets wären die Schulen ausgestattet „wie zur Zeit der Elterngeneration“ und verfügten nur über veraltete Lehr- und Lernmittel. „Statt in Großprojekte zu investieren, sollte mehr Lehrpersonal eingestellt werden“, bilanzieren die Moderatoren des Online-Forums die Forderungen der Eltern in Bezug auf die aktuelle Situation in den Schulen. Anja Brandt

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