Vorstandssitzung : Bundesbank degradiert Sarrazin

Nach seinen umstrittenen Äußerungen über Ausländer hat die Bundesbank Berlins Ex-Finanzsenator Sarrazin einen Teil seiner Zuständigkeiten entzogen.

Thilo Sarrazin
Thilo Sarrazin verliert Zuständigkeiten.

Frankfurt/MainBundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin muss nach seinen umstrittenen Äußerungen über Migranten Kompetenzen abgeben. Der frühere Berliner Finanzsenator (SPD) verliert seine Zuständigkeit für den wichtigen Geschäftsbereich Bargeld, wie die Bundesbank am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. Der Bundesbankvorstand habe sich gleichzeitig „auf die Grundlage für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit verständigt“.

Sarrazin hatte türkischen und arabischen Einwanderern mit drastischen Worten den Willen und die Fähigkeit zur Integration in Deutschland abgesprochen. Daraufhin hatte Bundesbank-Chef Axel Weber ihm den Rücktritt nahe gelegt. In seiner Vorlage für die Vorstandssitzung wollte Weber Sarrazin Berichten zufolge außer dem Bereich Bargeld auch die Zuständigkeit für das Risiko-Controlling entziehen. Diesen Bereich behält Sarrazin nun aber in seiner Verantwortung, außerdem bleibt er für die Informationstechnologie verantwortlich. Die Verantwortung für das Bargeld muss Sarrazin ab sofort an den im Vorstand unter anderem für das Controlling verantwortlichen Hans Georg Fabritius abgeben.
 
 Eine Bundesbank-Sprecherin wollte keine Angaben zu weiteren Inhalten der Vorstandssitzung machen. Sie wollte sich auch nicht dazu äußern, wie die Verständigung über die Grundlage der weiteren Zusammenarbeit aussieht und ob diese etwa einen „Maulkorb“ für Sarrazin bei Interviews zu strittigen Themen beinhaltet. „Es gilt jetzt, den Blick nach vorn zu richten und gemeinsam die schwierigen Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen“, hieß es lediglich in einer Mitteilung der Bank weiter. 
 
Sarrazin hatte in einem Interview über die türkischen und arabischen Einwanderer in Berlin gesagt, diese hätten „keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel“ und  „produzierten ständig neue kleine Kopftuchmädchen“. (AFP)

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