Vorweihnachtschaos aufgearbeitet : Totalausfall im Dezember - Bahn gibt Fehlplanung zu

Mitte Dezember ging plötzlich gar nichts mehr bei der S-Bahn. Nun ist die Ursache des Chaos-Tages geklärt. Mit weiteren Entschädigungen können die Kunden aber nicht rechnen.

Warten auf Züge. 650 Doppelwagen hat die S-Bahn, 500 sind einsatzfähig.
Warten auf Züge. 650 Doppelwagen hat die S-Bahn, 500 sind einsatzfähig.Foto: dpa

Nun ist es klar: Eine Fehlplanung hat zum Fast-Total-Ausfall des S-Bahn-Netzes am 15. Dezember 2011 geführt. Bei der 1999 installierten Anlage für den Notstrombetrieb in der Betriebszentrale Halensee gibt es zwar zwei unabhängige Systeme, die aber von einer gemeinsamen Batterie gespeist werden, bis das Notstromaggregat anspringt. Bei einem routinemäßigen Test war eine Anlage ausgefallen und ausgebrannt, sagte am Mittwoch Helge Schreinert von der Netz AG der Bahn, die für die Anlage zuständig ist, im Verkehrsausschuss des Parlaments. Beim Umschalten auf die zweite Anlage sei die Steuerung ausgefallen, weshalb diese Anlage nicht angesprungen war. Das System mit einer Batterie sei eine Fehlplanung gewesen.

Die Bahn war nach Schreinerts Angaben ohnehin dabei, eine neue Anlage aufzubauen – mit Batterien für jedes System. Die Umstellung werde jetzt vorgezogen. Außerdem würden Notbedienplätze für das Stellen von Weichen und Signalen eingerichtet. Zudem sei geplant, ein zweites System für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung einzubauen.

Ob die Bahn ihr Versprechen halten kann, Test am Stromversorgungssystem nur noch nachts vorzunehmen, ist ungewiss. Zumindest das derzeitige Notstromaggregat ist nämlich zu laut, bestätigte Schreinert.

(Die Bilderstrecke erzählt noch einmal vom Chaos-Tag im Dezember)

Kompletter S-Bahn-Ausfall in Berlin
15. Dezember 2011 - Vorweihnachtsstress bei der S-Bahn: Plötzlich stand alles stillt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 29Foto: dapd
17.12.2011 16:0415. Dezember 2011 - Vorweihnachtsstress bei der S-Bahn: Plötzlich stand alles stillt.

Kritik gab’s von den Abgeordneten und vom Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, am Informationssystem der S-Bahn bei Störungen. Da auch die Lautsprecher und Anzeigen ihren Strom über die Betriebszentrale erhalten, gab’s meist keine Hinweise. Für Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) ist es nun schon ein Erfolg, dass man vereinbart habe, auf allen Bahnhöfen Megaphone vorzuhalten. Allerdings sind die meisten Stationen unbesetzt. Wer in die Megaphone sprechen soll, sagte Müller nicht.

Kritisiert wurde auch die Personalplanung der S-Bahn, bei der seit Wochen Fahrten ausfallen, weil Fahrer fehlen und es zudem zeitweise einen sehr hohen Krankenstand gibt. 2003 habe es noch 1000 Triebfahrzeugfahrer gegeben, 2007 sei die Zahl auf nur noch 833 gesunken, sagte Franz. Heute sind es nach Angaben von S-Bahnchef Peter Buchner wieder 910. Weitere Ausbildungskurse sollen im Frühjahr abgeschlossen sein.

Während Franz befürchtet, dass es bei einem heftigen Frosteinbruch wieder massenweise Ausfälle wie im vergangenen Winter geben könnte, warnte Senator Müller davor, „Horrorszenarien an die Wand zu werfen.“ Buchner versprach, „in diesem Jahr“ wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren.

Der Ausfall fast des gesamten Netzes habe allein durch Strafzahlungen an den Senat Kosten in Höhe von rund 300.000 Euro verursacht, sagte Buchner. 5000 Euro habe die S-Bahn Fahrgästen gezahlt, die nachweisbare Taxikosten geltend gemacht hätten. Weitere Entschädigungen für alle Kunden werde es nicht geben.

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