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Vorwürfe aus Berlin : Tadschikische Elite soll gestohlene deutsche Autos fahren

Seit 2009 wird ermittelt, das Auswärtige Amt ist bereits eingeschaltet. Die tadschikische Botschaft weist die Anschuldigungen als „völlig unbegründet“ zurück. 200 gestohlene Autos wurden im Land lokalisiert.

Die Familie des Präsidenten Emomali Rachmon. soll gestohlene Luxus-Autos fahren.
Die Familie des Präsidenten Emomali Rachmon. soll gestohlene Luxus-Autos fahren.Foto: dpa

Eine Affäre um gestohlene Autos sorgt für Verstimmungen zwischen Deutschland und Tadschikistan. Die Berliner Justizverwaltung bestätigte einen "Bild"-Bericht, nach dem rund 200 in Deutschland entwendete Pkw in Tadschikistan lokalisiert wurden. Die meisten davon würden von Freunden und Familienangehörigen des Präsidenten Emomali Rachmon gefahren. Die Botschaft der zentralasiatischen Republik wies die Anschuldigungen zurück.

Die in Deutschland angemeldeten Autos wurden von einer deutsch-litauischen Ermittlergruppe namens Westwind per GPS lokalisiert, wie eine Sprecherin des Berliner Justizsenators Thomas Heilmann (CDU) bestätigte. Weil die tadschikischen Behörden auf ein Rechtshilfeersuchen nicht reagiert hätten, habe sich Heilmann bereits im Mai dieses Jahres an den damaligen Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) gewandt.

Tadschikistan weist Vorwürfe zurück

Der Bitte, die Fahrzeuge zu beschlagnahmen, sei aber nicht entsprochen worden, sagte die Sprecherin. In seinem Schreiben an Westerwelle machte Heilmann den Angaben zufolge deutlich, dass sich die Mehrheit der Fahrzeuge im Besitz von mit dem Präsidenten wirtschaftlich und familiär verbundenen Tadschiken befinde. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, dass es mit der tadschikischen Seite Gespräche „über die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung organisierter Kriminalität“ gegeben habe. Zu dem Schreiben der Berliner Behörden an Westerwelle äußerte sie sich nicht.

Die autoritäre Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan hat Vorwürfe indes zurückgewiesen.„Das ist ein Versuch, dem Image Tadschikistans einen Schlag zu verpassen“, sagte Außenamtssprecher Abdulfajs Atojew am Freitag vor Journalisten in der Hauptstadt Duschanbe. Er betonte zugleich, die Behörden des zentralasiatischen Landes prüften die „unglaubwürdigen“ Berichte.

Die Autos passieren mehrere Grenzen

Autos passierten auf ihrem Weg von Deutschland nach Tadschikistan mehrere Grenzen. Bei der Einfuhr würden alle Fahrzeuge durch den Zoll kontrolliert, „jedes Auto besitzt legale Papiere“, erklärte die Botschaft. Die deutschen Behörden seien gebeten worden, Informationen über gestohlene Pkw aus ihren Datenbanken bereitzustellen, um deren illegale Einfuhr „rechtzeitig zu unterbinden“. Dies sei aber nicht erfolgt. Die Regierung sei weiterhin bereit, mit der deutschen Seite an einer Lösung des Problems zu arbeiten.

5000 Kilometer von Berlin nach Tadschikistan

Die Ermittlungsgruppe „Westwind“ der Kripo arbeitet laut einem Polizeisprecher seit 2009 und hat zehn Mitglieder. An den Ermittlungen sind auch das Bundeskriminalamt (BKA), andere Bundesländer und die Polizei aus Litauen beteiligt. „Ziel ist die Aufklärung der Verschiebung teurer Autos nach Osteuropa“, sagte ein Sprecher. „Dabei geht es um Diebe, Zwischenstationen, Mittelsmänner und Auftraggeber bis zu den Abnehmern.“ Autostrecken von Berlin nach Tadschikistan sind weit über 5000 Kilometer lang. Vor zwei Jahren reisten ein LKA-Fahnder und ein BKA-Kollege eigens nach Tadschikistan, um dort nach gestohlenen Autos
zu suchen.

Im autoritär geführten, bitterarmen Tadschikistan regiert seit 1992 Staatschef Emomali Rachmon (61). Im November trat er eine weitere siebenjährige Amtszeit in der Ex-Sowjetrepublik nördlich von Afghanistan an. Die Wahl wurde von Beobachtern als undemokratisch verurteilt. Tadschikistan gilt als Transitland für Drogen aus Afghanistan in den Westen.

Geheime GPS-Ortungssysteme werden von Herstellern oder Besitzern zur Sicherung in Luxuslimousinen eingebaut. Die Geräte aktivieren sich zum Teil selber, wenn das Auto ungewöhnlich bewegt wird, und melden sich bei dem Besitzer, der die Daten verfolgen kann. Die Polizei wollte sich zu technischen Details nicht äußern. (AFP, dpa)

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