Vorwürfe gegen Direktor : Parlament berät über Zoo

Ein Ausschuss soll die Vorwürfe gegen Zoo-Direktor Blaszkiewitz klären. Die Abgeordneten kritisieren die Diskussion: Sie schadet dem Image der Stadt. Gegen den Zoo-Chef liegt eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutz- und Grundgesetz vor.

Annette Kögel
blaszkiewitz
Bär und Boss. Zoo-Vorstand Blaszkiewitz bei der Premiere des Knut-Films. -Foto: Davids

Die Debatte um Tierschutz, Marketing und Weiterentwicklung von Zoo und Tierpark wird nun auch im Parlament geführt. „Ich habe den Tierschutz als Besprechungspunkt einer Anhörung im Ausschuss Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz beantragt“, sagte Mirco Dragowski, tierschutzpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Geladen werden sollen Zoo-Vorstand Bernhard Blaszkiewitz, der Präsident des Tierschutzvereins Wolfgang Apel sowie Berlins Tierschutzbeauftragter Klaus Lüdcke. Der Verein der Freunde und Förderer des Zoologischen Gartens Berlin sprach sich unterdessen für die Einsetzung externer Sachverständiger aus.

Eine Aussprache im Parlament sei nötig, „weil das Instrument Strafanzeige sicher nicht zu einem konstruktiven Dialog führt“, sagte Dragowski dem Tagesspiegel – er meint die Anzeige der Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling bei der Staatsanwaltschaft gegen Zoo-Chef Blaszkiewitz. Sie wirft ihm vor, gegen Tierschutz- und Grundgesetz zu verstoßen, weil er angeblich „billigend in Kauf nimmt, dass überschüssig und inzestuös gezüchtete Tiere“ später beim Zootierschlächter landen. Eine entsprechende parlamentarische Anfrage von Hämmerling hat der Senat aber abschlägig beantwortet: die Vorwürfe träfen nicht zu.

„Zoo und Tierpark sind ein Gewinn für die Stadt, und so einen politischen Schachzug zu starten, schadet letztlich dem Image Berlins“, so die Reaktion von Gregor Hoffmann, tierschutzpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Wenn es Probleme gebe, müssten diese aber „aufgedeckt und abgestellt werden“. Man müsse sich auch Gedanken über die Konzeption machen. „Ich bin der Idee eines Wasserlaufs für Bootstouren im Tierpark nicht abgeneigt, solange der wissenschaftliche Anspruch nicht verloren geht.“ Ein „Abenteuerland“ dürfe nicht entstehen – „aber da muss was passieren, auch aus wirtschaftlichen Gründen, etwa bei der Vermarktung“. In Friedrichsfelde fehlten Busparkplätze, im Zoo Wegweiser auf Englisch.

Der Zoo erhält 2008 vom Land 1, 8 Millionen Euro und der Tierpark 6,2 Millionen Euro. Der Zoo habe im Knut-Jahr fünf Millionen Euro Gewinn erzielt, aber auch Kosten für Berater und Sicherheitskräfte für die „Knut-Show“ tragen müssen, so Hoffmann.

Sein Parlamentskollege Daniel Buchholz von der SPD sagte, es sei Aufgabe der Zoo-Gremien, Zuchtbücher und Tierabgaben zu kontrollieren. „Natürlich kann sich Frau Hämmerling zur Schutzheiligen aller Zootiere erklären, aber sie ist nicht für alle zuständig.“ Zootiere sollten generell - wie Hunde - mit Chips versehen werden. Blaszkiewitz unter Generalverdacht zu stellen, sei indes für den Klärungsprozess nicht sinnvoll. Es gebe aber in beiden Einrichtungen Verbesserungsbedarf. Es „liege auf der Hand, den Tierpark weiter zu einem Erlebnis- und Wildpark zu profilieren und den Zoo als Klimaschutz- und Artenschutz-Institution. Das muss aber umsetzbar und finanzierbar sein.“

Zur Diskussion um Knut sagte Buchholz, „ich wünsche mir, dass alle Möglichkeiten geprüft werden, ob er hierbleiben kann. Das Tier ist zum Symbol für Berlin und auch den Zoo geworden, so was gibt man nicht freiwillig aus der Hand“. Knut ist auch Symbolfigur der Bonner Artenschutzkonferenz im Mai. Dem Zoo müsse in dieser Frage aber unternehmerische Freiheit auch zum Wohlergehen des Bären gewährt werden. Marion Platta von der Linkspartei betonte, „die Einrichtungen haben enorme Zuchterfolge erzielt“. Annette Kögel

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