Vorwürfe gegen Sozialdienst : Senatsverwaltung einigt sich mit Miges

Der Berliner Sozialträger Miges kümmert sich um seelisch Kranke aus Einwandererfamilien. Vorwürfe, wonach Mitarbeiter nicht ausreichend erfahren gewesen seien, hat der Sozialdienst nun ausgeräumt.

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Flüchtlinge kurz nach der Ankunft in Europa.
Belastet. Auch Einwanderer kämpfen mit psychischen Krankheiten. Sie brauchen qualifizierte Hilfe.Foto: picture alliance

Immer wieder geraten Sozialträger unter Betrugsverdacht, schon weil die Abrechnungsmodalitäten in der verzweigten Branche äußerst unübersichtlich sind. In Neukölln richteten sich kürzlich Vorwürfe gegen die Leitung des Sozialdienstleisters Miges, einer gemeinnützigen Gesellschaft für Migration, Integration und Gesundheit. Der Hauptvorwurf: Die Mitarbeiter im ambulanten Dienst der Miges sollen oft keine ausreichende Berufserfahrung haben, obwohl dies der Senat vorschreibt, damit Miges vom Bezirk für seine Dienste bezahlt wird.

Personalmangel? Senat verlangte Stellungnahme

Die Miges-Mitarbeiter kümmern sich um seelisch Kranke aus Einwandererfamilien, ein in Berlin seltenes Projekt, hinter dem unter anderem das bekannte Unionhilfswerk steht. Dieses Jahr werden nach Miges-Schätzung bis zu eine Million Euro Umsatz gemacht. Die Hausbesuche bei den psychisch Kranken müssen zu 50 Prozent von Mitarbeitern durchgeführt werden, die eine sozialpädagogische Ausbildung und mindestens drei Jahre Berufserfahrung haben. Genau dies sei nicht der Fall, hatte es von einzelnen Mitarbeitern geheißen. Weil es an Personal mangele, seien viele der rund 45 Miges-Beschäftigten außerdem überlastet. Die Sozialverwaltung von Senator Mario Czaja (CDU) hatte deshalb eine Stellungnahme von Miges verlang.

Fragen wurden "dank der konstruktiven Mitarbeit des Trägers" aufgeklärt

Die Senatsverwaltung kam Ende September zur Einschätzung, dass alle Fragen "auch dank der konstruktiven Mitarbeit des Trägers" aufgeklärt werden konnten. Der Träger habe zugesichert, das Problem mit der Einhaltung der Quote erfahrener Mitarbeiterinnen abzustellen. Die Senatsverwaltung werde das in bestimmten Zeitabständen überprüfen. Miges-Geschäftsführer Cancan Ögütcü hatte die meisten Vorwürfe zurückgewiesen, aber eingeräumt, dass die Quote der Sozialarbeiter, die mehr als drei Jahre Berufserfahrung hatten, zwischenzeitlich geringer als 50 Prozent gewesen sei.

Vorwürfe, wonach „unsauber“ gearbeitet werde, sind in der Sozialbranche nicht selten. Sie trafen auch Harald Ehlert, den Exchef der Treberhilfe. Ehlert war 2010 bundesweit bekannt geworden. Berichte über seinen luxuriösen Lebensstil stellten die Sozialbranche unter Generalverdacht. Ehlert steht derzeit wegen Steuerhinterziehung vor Gericht.

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