• Vorwürfe unhaltbar: Eisbären-Spieler frei nach 18 Tagen Haft Der DNA-Test ergab keinen Beweis für eine Vergewaltigung.

Berlin : Vorwürfe unhaltbar: Eisbären-Spieler frei nach 18 Tagen Haft Der DNA-Test ergab keinen Beweis für eine Vergewaltigung.

Nun soll das angebliche Opfer aus Schweden belangt werden

Claus Vetter

Die Eishockeyprofis Yvon Corriveau und Brad Bergen sind frei. Seit dem 23. August waren die beiden Spieler vom EHC Eisbären Berlin im schwedischen Kristianstad in Untersuchungshaft, ihnen wurde die Vergewaltigung einer 20-jährigen Schwedin vorgeworfen. Gestern fand der Fall ein plötzliches Ende. „Die Spieler werden nicht angeklagt“, sagte der schwedische Oberstaatsanwalt Pär Andersson. „Sie können nach Hause fahren.“ Das taten die Eishockeyspieler, nachdem sie am Vormittag die Polizeiwache in Kristianstad verlassen hatten. „Das war ein schockierendes und beängstigendes Erlebnis“, sagte Brad Bergen. Die beiden Spieler wurden am Abend um 21 Uhr am Fährhafen Rostock von ihren Familien erwartet.

Es war kurz vor elf, als es am Mittwoch in der Eishalle im Sportforum Hohenschönhausen hektisch wurde. Die Profis trainierten gerade auf dem Eis, als Manager Peter John Lee nach einem Telefonat im Eiltempo die Zuschauertribüne hinunterstürzte. Klub-Sprecher Moritz Hillebrand machte eine nervöse Handbewegung in Richtung der Spieler und des Trainers. Es sollte so viel heißen wie: „Brad Bergen und Yvon Corriveau sind frei.“ Das war seit 10.30 Uhr amtlich. Die ermittelnde Staatsanwältin Pernilla Åström hatte die Einstellung des Verfahrens beantragt, nachdem ihr der gerichtsmedizinische Bericht vorlag. „Er hat die Version der beiden Verdächtigen über den Hergang bestätigt und die Aussage der Frau ganz erheblich in Zweifel gezogen“, sagte die Staatsanwältin. „Der Vorwurf der Vergewaltigung ließ sich nicht aufrecht erhalten. Es gäbe keinen einzigen Verdachtsmoment gegen die Spieler, hat mir Frau Åström gesagt“, erklärte Bergens Anwalt Johan Eriksson. Die „Geschwindigkeit“, mit der die Staatsanwältin die Vorwürfe zurücknahm, habe ihn überrascht. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Bis gestern hatte Åström immer gesagt, dass sie von der Schuld der beiden Eishockey-Profis überzeugt sei.

Die Geschichte sei allerdings damit für ihn und seinen Kollegen Lars Engstrand, den Anwalt des 36-jährigen Kanadiers Corriveau, nicht aus der Welt, sagte Bergens Anwalt dem Tagesspiegel. „Nun werden wir ein Verfahren gegen die Frau einleiten, die unsere Mandanten zu Unrecht beschuldigt hat.“ Die Spieler waren, als sie die Polizeiwache verlassen durften, erleichtert. „Aber mein Mandant war auch ziemlich wütend wegen der ganzen Geschichte“, sagte Eriksson.

Die Eisbären hatten in der schwedischen Kleinstadt Tyringe ihr Trainingslager absolviert. Dort sollte sich laut Aussage der 20-jährigen Schwedin die Tat in der Nacht zum 23. August im Mannschaftshotel ereignet haben. Corriveau und Bergen, der gebürtiger Kanadier, aber deutscher Staatsbürger ist, kamen in Untersuchungshaft. Zweifel an den Aussagen der Frau gab es allerdings, auch im Kurhotel von Tyringe. Sein Personal habe nichts mitbekommen, sagte Hotelmanager Peter Borgström: „Niemand unserer Angestellten hat die Frau überhaupt im Hotel gesehen.“ Auch Bergens Frau Anja glaubte nicht an den Vorwurf. „Mir war sofort klar, dass mein Mann unschuldig ist“, sagte Anja Bergen dem Tagesspiegel.

Bei den Eisbären war die Erleichterung groß. „Wichtig ist jetzt erst einmal, dass Brad und Yvon zu ihren Familien können“, sagte Manager Peter John Lee. „Was danach passiert, werden wir nach einem Gespräch mit den beiden entscheiden.“ Die beiden Spieler verbrachten 18 Tage in Einzelhaft, durften nicht einmal ohne Begleitung die Toilette besuchen. Wann sie wieder spielen können, steht nicht fest. Der Klub hatte Bergen und Corriveau vor zwei Wochen vorläufig suspendiert. Die Profis haben seit fast drei Wochen nicht trainieren können, über ihren physischen und psychischen Zustand wisse man nicht viel, sagte Lee.

„Es ist nicht schön wie ein Verbrecher behandelt zu werden, wenn man unschuldig ist“, sagte Eisbären-Trainer Pierre Pagé. Schlimm sei allerdings auch, dass immer etwas haften bleibe. „Ich hoffe aber, dass sich die Geschichte nun korrigieren lässt“, sagte Pagé. Schließlich ist da auch der Wunsch, dass der Eishockey-Alltag schnell wieder einkehrt. Die Saison hat bereits am Wochenende begonnen. „Bergen und Corriveau sind unschuldig, nun können wir uns endlich wieder auf Eishockey konzentrieren“, sagt Eisbären-Geschäftsführer Detlef Kornett.

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