Vorwurf der Polizeigewalt : Empörung in Polen über Berliner Spezialeinsatzkommando

Die Geschichte von zwei Polen, die „von Berliner Polizisten krankenhausreif geschlagen wurden“, bewegt derzeit heftig die Gemüter in unserem Nachbarland. Berlins Polizeisprecher erklärt derweil, was aus Sicht der Ermittler geschehen ist.

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Möglicherweise war alles nur ein Missverständnis. Möglicherweise waren sie nur zur falschen Zeit am falschen Ort – die Geschichte von zwei Polen, die „von Berliner Polizisten krankenhausreif geschlagen wurden“, bewegt derzeit jedenfalls heftig die Gemüter in unserem Nachbarland. Medien berichten darüber, der polnische Außenminister äußerte sich während seines Besuchs in Brüssel, am Mittwoch wurde sogar der Leiter der polnischen Konsularabteilung bei der Berliner Polizei vorstellig und bat eindringlich um Klärung des Vorfalls.

„Wir haben ihm das zugesichert“, sagt Polizeisprecher Stefan Redlich. Und erklärt, was aus Sicht der Ermittler am vergangenen Donnerstag geschehen ist: Man habe im Zuge von Ermittlungen gegen eine internationale Bande von Falschgeldhändlern zwei Autos observiert, die zur Autobahn-Raststätte „Am Fichtenplan“ gefahren seien und dort Kontakt zu zwei Personen in einem weiteren Fahrzeug aufgenommen hätten. Als alle drei Fahrzeuge kurze Zeit später gemeinsam losfuhren, habe man sich zum Zugriff entschlossen und die Autos an der Auffahrt zur Autobahn gestoppt.

Während die beiden observierten Fahrzeuge anhielten, hätte der Fahrer des dritten Autos versucht, sich dem Zugriff zu entziehen und dabei ein Polizeifahrzeug gerammt. Daraufhin habe man Zwangsmaßnahmen anwenden müssen, um die vorläufige Festnahme durchzusetzen. Dabei sei es zu den Verletzungen gekommen. Es könne aber keine Rede davon sein, dass sich die Beamten - wie manche Medien berichteten - mit den Verdächtigen eine wilde Schlägerei geliefert hätten, sagte Redlich. „Das waren geschulte Kollegen vom Spezialeinsatzkommando.“ Allerdings hätte die versuchte Flucht die Polen natürlich zusätzlich verdächtig gemacht.

Die beiden Verletzten erzählten in den polnischen Medien, dass sie von den ihnen unbekannten Insassen der beiden observierten Autos an der Raststätte angesprochen worden seien. Die hätten gefragt, ob sie jemanden bis zur Grenze mitnehmen könnten. Das hätten sie abgelehnt, weil es ihnen suspekt vorkam. Als sie dann wenig später von etwa 20 Menschen zum Anhalten aufgefordert worden seien, hätten sie an einen Überfall gedacht und versucht, zu entkommen.

Laut Polizei waren die Beamten tatsächlich in Zivil. Sie hätten allerdings Blaulicht angeschaltet und „Polizei, Polizei“ gerufen. In den Autos wurde kein Falschgeld gefunden, die beiden Polen wurden ins Krankenhaus gebracht, es wird weiter gegen sie ermittelt. Sie selbst haben, so ein Sprecher der polnischen Botschaft, in ihrer Heimat Anzeige gegen die Berliner Polizisten erstattet. „Möglicherweise werden sie das auch bei der deutschen Staatsanwaltschaft tun“, sagte er. Auch der Arbeitgeber der beiden in der alten Königsstadt Gniezno (Gnesen) habe eine Klageschrift eingereicht.

„Wir sind aber sicher, dass die Berliner Polizei ihr Versprechen halten und den Vorfall aufklären wird“, sagte der polnische Botschaftssprecher. Polizeisprecher Redlich bestätigt dies. Ein Ermittlungsverfahren gegen die Beamten laufe aber nicht, weil man bisher kein pflichtwidriges Verhalten erkennen könne.

Möglicherweise gingen die beiden Polen davon aus, dass es keine echten Polizisten waren, die sie anhalten wollten. Vor einigen Jahren gab es in ihrer Heimat etliche Straftaten, die von falschen Polizisten begangen wurden.

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