Vorwurf des möglichen Betrugs : Staatsanwalt ermittelt gegen Olympiastadion-Chef

Der Druck auf Joachim E. Thomas steigt. Zudem redet heute Nachmittag der Aufsichtsrat über den Fall des Geschäftsführers der Olympiastadion GmbH.

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Joachim E. Thomas schweigt noch immer zu den Vorwürfen.
Joachim E. Thomas schweigt noch immer zu den Vorwürfen.Foto: Thilo Rückeis

Die Staatsanwaltschaft befasst sich mit Joachim E. Thomas, dem Geschäftsführer der Olympiastadion GmbH. „Wir ermitteln wegen des Anfangsverdachts der möglichen Untreue und weiterer Delikte“, sagte Martin Steltner, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, dem Tagesspiegel. Thomas werden unter anderem falsche Reisekostenabrechnungen und die Verwendung eines zu großen Dienstwagens vorgeworfen. Die Vorwürfe sind Thema der Aufsichtsratssitzung, die heute stattfindet. Thomas äußerte sich auch gestern nicht zu den Vorwürfen.

Keine normalen Bürger bei der Stadionbesichtigung

Zudem soll der Geschäftsführer einer Besuchergruppe, zu der auch die SPD-Abgeordnete und Sportpolitikerin Iris Spranger gehört hatte, eine Besichtigung des Stadions ermöglicht haben, ohne dafür Miete zu verlangen. Organisiert wurde der Besuch von der Berliner Mitte, einem pragmatischen Flügel des SPD-Landesverbands. Jörg Stroedter, Mitglied des Abgeordnetenhauses und der Berliner Mitte, betonte gegenüber dem Tagesspiegel, dass keine Bürger aus Wahlkreisen eingeladen worden seien: „Zu der Gruppe gehörten Leute mit Funktionen und Mandaten, die thematisch mit dem Stadion befasst sind.“ Abgeordnete ebenso wie Bürgerdeputierte in Sportausschüssen. „Wir haben uns zum Beispiel von Herrn Thomas erklären lassen, wie er das Stadion profitabel führen will. Wir haben da ja keine Geburtstagsfeier veranstaltet.“

Er hätte es auch als „absurd“ empfunden, wenn die Gruppe hätte bezahlen müssen, sagte Stroedter. Der beteiligungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion verwies darauf, dass auch bei anderen dienstlichen Besichtigungen, egal ob ICC, Staatsoper, Bäder oder Flughafen Tegel „noch nie Eintritt bezahlt wurde“. Aber die GmbH habe ja im Vorfeld ohnehin nie ein Wort von Miete gesagt. Iris Spranger, deren Büro den Termin mit der GmbH organisiert hatte, bestätigte diese Aussage. Unter welchen Bedingungen die GmbH für die Nutzung des Stadions Geld verlangt, blieb gestern unklar. Entsprechende Fragen beantwortete die GmbH nicht.

Der Juristische Dienst des Abgeordnetenhauses wollte den Fall nicht bewerten. „Es hängt von den Modalitäten für einen Besichtigungstermin des Stadions ab“, sagt ein Mitarbeiter. Die kenne er aber nicht. „Per se ist es aber nicht so, dass sich Abgeordnete nicht begleiten lassen dürfen.“

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