Wachdienst gegen Drogenabhängige : Im Rathaus Steglitz wird gedealt

Im Rathaus Steglitz werden Drogen verkauft. Jetzt passt ein Wachdienst auf, und das Bürgerbüro schließt früher - zumindest in den nächsten zwei Wochen. Aber reicht das, um das Problem in den Griff zu kriegen?

Johannes Böhme
Termin beim Dealer. Auf den Toiletten wurden Drogen verkauft. Probleme gibt es schon länger, weil Abhängige aus der U-Bahn hierherkommen.
Termin beim Dealer. Auf den Toiletten wurden Drogen verkauft. Probleme gibt es schon länger, weil Abhängige aus der U-Bahn...Foto: imago/Schöning

Im Rathaus Steglitz wurden nicht nur Personalausweise und Führerscheine ausgestellt. Zusätzlich gab es in den vergangenen Wochen auf den Toiletten des Prachtbaus am Hermann-Ehlers-Platz einen florierenden Drogenhandel. Es wurde gedealt, konsumiert und zuletzt auch randaliert, teilte das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf in einer Mitteilung mit („Sofortmaßnahme“). Besonders beliebt waren dabei offenbar die Herrentoilette im ersten Stock und die Behindertentoilette im dritten Stock („Der Schlüssel wird in der Pförtnerloge deponiert“). Jetzt hat auch das Bezirksamt in Steglitz gehandelt. Der Wachdienst wird verstärkt und die Öffnungszeiten verkürzt. Die Berliner Drogenszene nutzt damit erneut ein staatlich finanziertes Gebäude: An der Helene-Nathan-Bibliothek in Neukölln hatte wie berichtet Anfang März ein Wachdienst eingesetzt werden müssen, um den blühenden Drogenhandel dort zu unterbinden.

Auch vor den Vorfällen auf der Steglitzer Herrentoilette gab es schon einen Sicherheitsdienst im Rathaus. Aber die Angestellten der beauftragten Firma waren bis vor zwei Wochen lediglich dafür zuständig, die Bezirkskasse zu bewachen – nicht aber die Toiletten im ersten und dritten Stock. Für Nachfragen war der zuständige Stadtrat nicht zu erreichen.

Auf den Toiletten sind die Spuren der Randale zu sehen

Beide Toiletten befinden sich in einem ruhigen Flur, durch den kaum mehr als zehn Menschen pro Stunde gehen. Am Eingang des Rathauses sitzt zwar eine Pförtnerin, aber die kontrolliert nicht, wer rein- und rausgeht.

Die Toiletten, wird hier auf den Rathausfluren berichtet, bieten dabei – gerade im Winter – einen Rückzugsraum für die Obdachlosen und Drogenabhängigen, die im nahen U-Bahnhof häufig Probleme mit dem BVG-Sicherheitsdienst bekommen. Das Einkaufszentrum nebenan wird rund um die Uhr bewacht. Bleibt also nur das Rathaus.

Auf den Toiletten sind die Spuren der Randale noch zu sehen: Ein Waschbecken funktioniert nicht und die Fenster sind mit nagelneuen Schlössern verriegelt. An die Wände der Toiletten wurden Graffiti geschmiert.

Die Aufstockung des Wachdienstes ist dabei eine glatte Verdopplung: von einem auf zwei Wachmänner. Einer bewacht die Kasse, der andere fährt immer vom ersten in den dritten Stock und wieder zurück. „Wir sind hier die Abschreckung“, erzählt einer von ihnen. Zusätzlich werden die Öffnungszeiten des Rathausgebäudes bis zum 8. Mai so verkürzt, dass sie sich auf die Kernzeiten des Bürgeramtes beschränken – am Montag und Mittwoch zum Beispiel ist das Rathaus nur noch bis 15 Uhr geöffnet.

Dabei ist nicht klar, ob der Drogenhandel nach dem 8. Mai nicht einfach zurückkehren wird. Das Problem im Steglitzer Rathaus ist ein altes. „Früher war das hier sogar noch schlimmer. Da lagen die Alkoholiker bei uns im Eingangsbereich“, sagt der Wachmann. Auf der fraglichen Herrentoilette war am Dienstag übrigens wieder eine der Kabinen für mehr als 45 Minuten besetzt, trotz Sicherheitsdienst.

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