Berlin : Wachs-Hitler soll zurück ins Kabinett

Madame Tussauds will Figur reparieren

Liva Haensel

Hitler kommt wieder – die Wachsfigur, der am Samstag der Kopf abgeschlagen wurde, soll bald wieder in der Ausstellung Unter den Linden zu sehen sein. Natalie Ruoß, Tussauds-Sprecherin, gab an, dass die Hitler-Figur so schnell wie möglich an ihren Schreibtisch im nachgestellten Führerbunker zurückkehren solle. „Die Puppe liegt in unserer Berliner Werkstatt. Wir können noch nicht abschätzen, wie hoch die Kosten für die Wiederherstellung sein werden.“

Ob die Hitler-Puppe in der Zentrale in London oder in Berlin von den Bildhauern repariert wird, wollte die Sprecherin nicht kommentieren. Jede Wachsfigur habe einen Wert von 200 000 Euro. In der Erklärung des Londoner Unternehmens heißt es, dass „Madame Tussauds unpolitisch ist“. Weder die Personen, die in der Ausstellung gezeigt werden, noch ihr Lebenslauf werde „kommentiert oder bewertet“. Der Diktator Adolf Hitler stehe für einen entscheidenden Teil der Berliner Geschichte, der nicht verleugnet werden könne. Ob Hitler künftig hinter einer Glasscheibe – wie die Hitler-Figur in London – präsentiert werde, wurde vom Unternehmen nicht beantwortet.

Frank L., ein 41-jähriger Altenbetreuer, hatte am Sonnabend der Figur kurz nach Eröffnung der Ausstellung den Kopf abgeschlagen. Zwei Wachleute konnten die Tat nicht verhindern. Dabei wurde einer von ihnen am Bein verletzt. Die Polizei ermittelt gegen L. wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung.

„Wir waren geschockt über die Tat“, sagt Betriebsleiter Markus Haas von Madame Tussauds. Die Mehrheit der Besucher sei aber nach seiner Beobachtung für die Rückkehr der Wachsfigur. „Als normaler Mensch sollte man mit der Geschichte umgehen können. Deswegen sehe ich keine Probleme, wenn die Hitler-Figur wiederkommt“. Es sei „bedauerlich“, dass das Management die Attacke auf die Nachbildung des NS-Diktators nicht zum Anlass genommen habe, künftig auf die Figur zu verzichten, sagte dagegen der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel. Zudem sei die Begründung von Madame Tussauds „unsinnig und unangemessen“. „Madame Tussauds ist wirklich nicht das einzige Museum in Berlin, in dem man sich über Geschichte informieren kann“, fügte Tuchel hinzu.

Unterdessen wurde bekannt, dass Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl eventuell gegen das Wachsfiguren-Kabinett klagen will. Sein Vorwurf: das Unternehmen, das Kohl neben anderen politischen Größen zeigt, hätte sich nicht an seine Bedingungen gehalten. Kohl habe mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung der Figur sowie ein grundsätzliches Zustimmungsrecht vor der Aufstellung gefordert, sagte sein Büroleiter Ulrich Pohlmann. Man prüfe den Fall und werde dann über rechtliche Schritte entscheiden. „Wir sind überrascht über diese Aussage. Normalerweise fühlen sich Prominente geehrt, wenn sie bei Madame Tussauds stehen“, sagte Sprecherin Ruoß. Liva Haensel

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben