Berlin : Wachschützer wollen auch Knöllchen verteilen

Zusätzlich zu ihrem Objektschutzdienst / Personalrat beklagt geringes Ansehen der Wachpolizisten

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Die Wachpolizisten wollen ihren Dienst um neue Aufgaben erweitern – etwa durch die zusätzliche Ahndung von Parkverstößen vor dem zu schützenden Objekt. Die Polizeiführung sieht dies jedoch skeptisch. Dabei hat ein sechsmonatiger Probelauf im letzten Jahr durchaus positive Ergebnisse gebracht. Durch die Verteilung von Knöllchen an Falschparker haben 35 Wachschützer 65 000 Euro in die Landeskasse gebracht - ohne ihren Dienst zu vernachlässigen.

Derzeit ist ist die Arbeit nicht besonders attraktiv. Einige Schritte hin, einige Schritte her. Tagaus, tagein, bei Wind und Wetter. 12 Stunden dauert die Schicht eines Wachpolizisten, davon acht Stunden reine „Stehzeit" auf der Straße. Bei erhöhter Gefährdungslage mit Schutzweste und Maschinenpistole. Dann wiegt die Sicherheitsausrüstung 10 Kilo. Für den Gang zur Toilette muss er sich in den meisten Fällen abholen und zum nächsten Polizeiabschnitt fahren lassen. Der Personalrat der Objektschützer fordert denn auch seit zwei Jahren die Aufstellung von Containern, in denen die Wachpolizisten nicht nur ihre Notdurft, sondern auch ihre vier Stunden Revierdienst für Schreibarbeiten verrichten können. Bislang vergeblich. Innerhalb der Polizei werden die „Polizeiangestellten im Objektschutz“ meist „etwas stiefmütterlich behandelt", heißt es bei den Wachpolizisten vorsichtig. Ihre Akzeptanz bei der Schutzpolizei sei schlecht. Manche fühlen sich als Ausgestoßene der Polizei.

Schon bei gemeinsamen Objektschutzeinsätzen mit Schutzpolizisten, wie nach den Anschlägen vom 11. September, lasse sich rasch erkennen, wer auf der Leiter oben und unten steht. Während die Objektschützer auf ihrem Posten auch bei scheußlichstem Wetter stets Haltung bewahren, sitzen am gleichen Ort eingesetzte Schupos oder Grenzschützer oft in ihren Fahrzeugen und halten von dort aus die Augen auf. Objektschutz gilt ihnen als niedere Tätigkeit. Oder sie lehnen sich mal bequem aufs Absperrgitter. Undenkbar für einen Wachpolizisten, eine Disziplinierung wäre die Folge. Im Wiederholungsfalle Kündigung. „Unsere Tätigkeit wird eigentlich nicht richtig gewertet", beklagen ihre Vertreter. Dabei hat ein Untersuchungsbericht der Polizeiführung den Wachpolizisten erst vor kurzem eine „vorzügliche Dienstverrichtung" bescheinigt. Von der im Frühjahr geplanten Reform der Polizeiführung erhoffen sich die Objektschützer eine Aufwertung.

Im April 2003 soll der 1997 gegründete „Zentrale Objektschutz"(ZOS) dann mit der Verkehrs- und Bereitschaftspolizei in eine neue „Direktion Zentrale Aufgaben" überführt werden. Durch die Zusammenlegung mit den beamteten Polizisten erwarten sie eine Verbesserung der Akzeptanz.

Mit seinen 1600 Angestellten, darunter 100 Frauen, sei der ZOS derzeit ein etwas „exotischer Bereich", sagt einer. 50 weitere werden in der nächsten Woche neu eingestellt – seit 1999 nach Osttarif. Das bedeutet weniger Urlaub, weniger Weihnachtsgeld und kein Kündigungsschutz. Nur während ihrer 10-wöchigen Ausbildung gelten Westkonditionen. Vor Kohlenhalden wie 1946 stehen sie längst nicht mehr. Heute sind Botschaften, Senatsdienststellen und Synagogen ihr Arbeitsplatz. OD

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