Berlin : Wachsen durch Schrumpfen

Pflüger will Wirtschaft mit Bürokratieabbau fördern

-

Der Saal ist kaum wiederzuerkennen, doch Friedbert Pflüger hatte dunkle Erinnerungen an den hohen, langen Raum auf der ersten Etage des Schöneberger Rathauses. 25 Jahre sei es her, dass er diesen Saal zum ersten Mal betreten habe, sagte Pflüger zu den rund 200 Parteifreunden, die am Dienstagabend das Wahlprogramm diskutieren wollten. Damals sei er von der Universität weg Mitarbeiter Richard von Weizsäckers geworden und habe ihm Akten bringen müssen. Er sei lässig im Pullover erschienen, was Weizsäcker mit der Bemerkung kommentierte: „So sehe ich Sie nie wieder im Abgeordnetenhaus.“

Bis heute trägt man in der CDU bei offiziellen Anlässen gern Krawatte. Das passte auf der ersten so genannten Regionalkonferenz zur Debatte über das Parteiprogramm gut zum Thema: Wirtschaft. Da wollen die Berliner Christdemokraten im Wahlkampf ganz besonders glaubwürdig wirken. Eine Dreiviertelstunde brauchte der Spitzenkandidat, um die Liste der Vorschläge abzuarbeiten, die sich im Programm wiederfinden sollen. Manches, sagte er selbst, sei nicht neu. Einiges hat man von anderen CDU-Politikern mit derselben Nachdrücklichkeit gehört: Mittelstandsförderung, Bürokratieabbau, Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Industrie, die Länderfusion, Bekämpfung der Schwarzarbeit. Doch Pflüger blickt, um das dröge und traurige Thema Wirtschaft wahlkampffähig zu machen, öfter mal über die Stadtgrenze und vergleicht Daten: Auch das Saarland, hört man dann, sei „arm wie eine Kirchenmaus“, habe aber Wirtschaftswachstum zu verzeichnen – dank der CDU-geführten Landesregierung. 68 Prozent der Verwaltungsvorschriften seien dort gestrichen worden. Auch Hessen und Niedersachsen bauten Bürokratie ab.

Vor allem aber will Pflüger um Investoren „viel aggressiver“ werben als es die Vertreter des Senats seiner Meinung nach tun. Seine Zuhörer waren mit dem Auftritt des Kandidaten so zufrieden, dass sie danach nicht mehr groß diskutieren wollten. wvb.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben